Der Striato Shiraz kommt aus einer unglaublich spannenden Parzelle mit superkomplexen Böden. Je nach Bereich dominieren dort Kalkstein, Schiefer oder Ton. Diese Bereiche wurden gemeinsam mit dem chilenischen Experten Pedro Parra 2018 je nach ihrer Bodenbeschaffenheit in die Polygone 10, 11 und 14 unterteilt. Seit dem Jahrgang 2020 kommen kleine Anteile anderer Polygone – wie beispielsweise Polygon No. 1 auf Schiefer und Quarzit – zusätzlich in diese Cuvée, mit dem Ziel, den bestmöglichen und komplexesten Shiraz des Anwesens zu erzeugen. Die auf dem Kalkstein stehenden Reben des Polygons No. 10 bilden immer das Fundament dieses Weins. Der Name »Striato« ist eine Anspielung auf die langen, schmalen Rillen im Gestein, die durch die monumentale Bewegung eines Gletschers entstehen und Gletscherschrammen (Striationen) genannt werden. Die Trauben wurden mit einem großen Ganztraubenanteil (80 Prozent aus P10 und 50 Prozent aus P1) in Beton vergoren und anschließend zum Teil auch darin, zum Teil in großen gebrauchten Holzfässern 12 Monate lang separat ausgebaut. Nachdem die Cuvée zusammengestellt wurde, folgen weitere 6 Monate im Beton. Tiefes, beinahe undurchsichtiges Violett. Die Nase ist von Anfang an faszinierend: sehr zurückhaltend, beinahe sogar schüchtern, und trotzdem ist die Frucht zugleich perfekt reif. Sie scheint definiert und in ein enges Korsett gedrückt. Saftige Blaubeere, Boysenbeere und Pflaume mit duftenden Veilchen und getrockneten blauen Blüten sowie vielschichtiger, dunkel brummender Würze wie Sternanis, schwarzer Pfeffer, Schieferstaub, rostiges Eisen und etwas Jod. Ich probiere den Wein etwas über zwei Jahre nach der Ernte über zwei Tage hinweg. Zu Beginn ist er verschlossen, beinahe sogar karg in seiner Tanninstruktur – am zweiten Tag wird klar, dass dieser Wein noch ein paar Jahre Flaschenreife oder eben ordentlich Luft benötigt. Saftige Brombeere ist mit Lakritz, schwarzem Pfeffer und bitter-würzigen mediterranen Kräutern wie angeflammtem Salbei und etwas Weihrauch durchzogen. Würze und Mineralität in dieser Konzentration sind schon was für Extremtrinker! Krasser Stoff, der den Mund mit Sternenstaub auskleidet. Die vielen Tannine sind am ersten Tag trocken und griffig, am zweiten Tag haben sie eine puderartige Qualität, aber es bleiben dennoch viele. Sie sind dennoch »zum Kauen« – ich mag das sehr, aber vermute, dass erfahrene Extrem-Trinker an diesem Wein mehr Freude haben werden als Neueinsteiger. Im Nachhall bleibt ein kribbelndes Gefühl von Szechuanpfeffer auf der Zunge. Hochindividueller und ziemlich einzigartiger Stoff! Das Weingut Alkina ist ziemlich neu in Barossa und arbeitete wie gesagt mit dem Geologie-Professor Pedro Parra an der perfekten Terroir-Abgrenzung. Dieser Stoff ist extrem, aber er scheint auch in der Tat ein krasser Extrakt des Bodens zu sein. Ich bin heute schon sehr gespannt darauf, diesen Wein in ein paar Jahren nochmals zu probieren.