Aldinger: Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs 2023

Aldinger: Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs 2023

VDP

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2043
pikant & würzig
fruchtbetont
tanninreich
Lobenberg: 96+/100
Suckling: 96/100
Vinum: 95/100
Falstaff: 95/100
Deutschland, Württemberg
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs 2023

96+
/100

Lobenberg: Die Lage Lämmler ist relativ groß, gilt auch als Wärmekammer wegen ihrer Kessel-artigen Form im Zentrum. Allerdings kühlt sie sich durch den Einfluss vom Schurwald auch sehr schnell ab sobald die Sonne erst einmal weg ist. Die nur etwa 0,3 Hektar kleine Gewann »Kaiser« liegt direkt unterhalb des Waldes und ist dadurch sehr kühl und windoffen. Das ist für die Aldingers die beste Pinot-Parzelle hier am Berg, bestockt mit über 40 Jahre alten Reben, die auf Mergel und Sandstein wurzeln. In manchen Jahren ist es sogar so kühl, dass hier auch der Grundwein für die Spitzensekte gelesen wird. Der Spätburgunder wird teils als Ganztraube vergoren, anschließender Ausbau komplett im Barrique mit durchaus spürbaren Neuholzanteilen. Die Nase ist dunkel, rauchig und würzig mit fesselnder Reduktion und Tiefe. Diese dunkle, graphitige Würze erinnert fast schon ein bisschen an die vom Schiefer geprägten Ahr-Pinots. Helle und dunkle Kirschfrucht mit Walderdbeere, dazu etwas Unterholz und Feuerstein. Sehr karg-mineralisch und elegant, nur eben nicht auf expressive Frucht gebaut, sondern auf puren Terroirausdruck. Am Gaumen dann sehr feinblättrig mit klarer, steiniger Mineralität. In Salz gewendete Waldfrüchte, Gesteinsmehl, etwas gegrillte Chili und Heilerde. Schöne Dichte aber so unglaublich fein dabei, durchzogen von feiner Säure, mit dichter Struktur und präsenter Tannintextur im Nachhall. Großartiger Schub aus der süß-sauren Frucht, die eindringliche Salzigkeit drückt immer wieder nach. Das ist ein großer, von kühlem Terroir geprägter Pinot aus Württemberg. Sehr schick und so typisch elegant-reduktiv, wie wir es von Aldinger kennen.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

96
/100

Suckling über: Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs

-- Suckling: Dark and brooding but already showing a wealth of baking spices, this great pinot noir has a compact core of tannins and flavors of bark and licorice on the concentrated, medium-bodied palate. Fantastic earthy complexity in the extremely long, quite firm finish. Drinkable now, but best from 2027.

95
/100

Vinum über: Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs

-- Vinum: Leuchtendes Granatrot. Braucht deutlich Luft, um seine ganze Klasse zu zeigen. Dann öffnet sich ein vielschichtiges Bouquet von geröstetem Kaffee, Kaffirlimette und roter Johannisbeere, unterlegt von Lorbeer, weißem Pfeffer und subtilen fleischigen Nuancen. Am Gaumen saftig und dicht gebaut, mit klarer Frucht, präsentem, gut proportioniertem Holz und griffigem, noch leicht belegendem Tannin. In seiner jugendlichen Verschlossenheit bereits beeindruckend strukturiert, mit Energie und Spannung. Der Nachhall lang, würzig und vielschichtig, deutet großes Entwicklungspotenzial an – ein Spätburgunder, der in die erste Reihe gehört.

95
/100

Falstaff über: Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs

-- Falstaff: Rauchig und reduktiv in der Nase. Sauerkirsche, viel Neuholz. Der Gaumen schichtet Geschmeidigkeit, Stoff, kräftige Kalkmineralität und einen markanten Säurenerv zu einem Eindruck von großer Intensität. Das ist extrem jung und hat großes Potenzial. Abwarten.

Mein Winzer

Aldinger

In Fellbach, unweit entfernt von der Landeshauptstadt Stuttgart, befindet sich der VDP-Traditionsbetrieb Aldinger. Das älteste und bekannteste Weingut Fellbachs existiert schon seit 1492.

Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs 2023