Familie Luckert war in 2024 leider erneut stark von Frost getroffen, das kam nun in den letzten Jahren leider häufig vor für den Zehnthof. Die Erntemenge hat rund 40 Prozent eingebüßt. Der Silvaner war etwas weniger getroffen, große Verluste gab es vor allem bei den Burgundersorten. Es war ein kühleres Jahr, eher mittelreif und sehr fein balanciert. Die Säuren sind köstlich reif und seidig, was den schön schmelzigen Luckert-Stil noch unterstreicht. Der Creutz war leider schon vom Frost getroffen, daher gibt es nur ein einziges Barrique von dem Wein, nicht wie üblich ein 500 Liter Fass. Es ist kein Neuholz, sondern Drittbelegung. Ein absolutes Kuriosum aus dem südlichsten Teil des Sonnenbergs, ein uraltes Gewann namens Creutz. Eine sehr warme Lage auf Muschelkalk, mit stark erwärmbarer, leichter Lössauflage. Der letzte Weinberg, der die Flurbereinigung in diesem Örtchen „überlebt“ hat sozusagen. Die Reben sind in den 1870er Jahren gepflanzt worden und damit tatsächlich mehr als sagenhafte 140 Jahre alt und dementsprechend natürlich wurzelecht. Ein sehr kleiner Weinberg allerdings, es gibt nur 500 bis 600 Flaschen je nach Jahrgang. Zertifiziert biologische Weinbergsarbeit. Im Jahr 2009 vom Weingut Luckert übernommen und vor der eigentlich bevorstehenden Rodung „gerettet“ quasi und dann Stück für Stück wiederaufgebaut, rekultiviert. Ab dem Jahrgang 2012 wurde dann der erste Wein daraus gefüllt. Die Nase ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, denn einerseits wirkt sie total ausgeglichen, in sich ruhend, ganz ohne laut oder expressiv zu sein. Der 2024er Creutz begeistert mich noch mehr als der 2023er, das war eher seltener der Fall, weil 2023 so irre gut war. Aber Creutz 2024 ist ein Statement. Knalltrocken, unendlich fein und schwebend, das Holz tritt noch etwas mehr hervor als üblich, was mir gut gefällt. Der Wein fliegt. Hochverdichtet und vielschichtig ohne Ende, immer wieder neue Nuancen werden freigesetzt, enorm viel Melisse, Zitronenabrieb, Kräutertee, geballte Kraft im Samthandschuh. Man kann es wirklich schwer beschreiben, denn einerseits ist das der klar feinste Wein bei Luckert, andererseits hat er diese seidige, fast ölige Textur, die ihm die Textur eines großen Burgunders verleiht. Das ist das Highend des Silvaners, da gibt es wenig, wahrscheinlich nichts Vergleichbares aus dieser Sorte, denn Saalwächters Grauer Stein ist auch intensiver und anders. Unique und Weltklasse.