Familie Luckert war in 2024 leider erneut stark von Frost getroffen, das kam nun in den letzten Jahren leider häufig vor für den Zehnthof. Die Erntemenge hat rund 40 Prozent eingebüßt. Der Silvaner war etwas weniger getroffen, große Verluste gab es vor allem bei den Burgundersorten. Es war ein kühleres Jahr, eher mittelreif und sehr fein balanciert. Die Säuren sind köstlich reif und seidig, was den schön schmelzigen Luckert-Stil noch unterstreicht. Die Große Lage Maustal war praktisch nicht von Frost getroffen. Maustal ist ein Amphitheater an den Mainhängen südlich von Sulzfeld. Eigentlich kommt das GG immer aus derselben Parzelle von rund einem Hektar. Die Reben sind 1962 und 1963 gepflanzt. Süd-südöstliche Ausrichtung, also Morgensonne, aber keine Abendhitze, wie im Burgund. Dazu karger Muschelkalkboden, nach einem halben Meter Erdauflage kommt direkt der Kalksteinfels. Zertifiziert biologische Weinbergsarbeit. Spontane Vergärung und Ausbau auf der vollen Hefe im traditionellen Doppelstückfass aus heimischer Spessart-Eiche. Ganz dem Luckert‘schen Stil entsprechend weht hier keine Fruchtbombe aus dem Glas, sondern immer eine zurückhaltende, sehr elegante Frucht. Der 2024er Silvaner ist sehr subtil und feingliedrig. Er liegt ruhig im Glas, ist ganz zurückgenommen in der Aromatik, zeigt kühlen Rauch, nassen Stein, Kamille und Grüntee, Zitronengras. Null Exotik, nichts Extremes, ein hochfeiner Stoff, nuanciert und in sich gekehrt. Ein bisschen wie 2016, die totale Eleganz, selbst in der Jugend zurückhaltend und mit buddhistischer Gelassenheit ausgestattet. In solchen Jahren neigt man dazu die Weine zu unterschätzen, das war 2016 auch oft so, aber wenn man sich deren geniale Entwicklung anschaut, wird schnell klar, wie gut 2024 werden kann. Wir haben schon Gewicht im Glas, feste Phenolik, kernig, die Zunge rollt sich in zitronenschaligen Bitterstoffen, herbsaftig, sehr stringent. Er ist weniger beeindruckend als die krachenden 2023er, das ist klar, aber feiner und hintersinniger ist er. Ich denke, die 2024er werden eine großartige Entwicklung machen und auf mittlere Sicht richtig strahlen. Während 2023 eher Rieslingtrinker begeistert, ist 2024 eher etwas für Burgunderfans.