Martin Tesch und sein Sohn Johannes – der unter anderem bei Loosen und Egon Müller gelernt hat und zunehmend das Ruder des kleinen Riesling-Boutique-Weingutes übernimmt – haben mit 2023 einen solch fantastischen Jahrgang auf die Flasche gebracht, dass wir nicht daran vorbeigehen konnten. Der Unplugged stammt aus allen Einzellagen von Tesch, aber nur von den älteren Reben zwischen 30 und 60 Jahren. Er wäre im VDP-System gedacht ein Ortswein, also gerade unterhalb der Lagen. Teschs Stil ist stahlig und kristallklar, es ist kein schmusiger Rieslingstil, sondern stets klirrend klar, trocken und mineral. Steinweine für Purismusfreaks auf einem sagenhaften Level für diesen Preis. Und schon der Unplugged, also einer der Einstiegsweine von Tesch, zeigt den typisch kühlen, steinigen und herbsaftigen Charakter der unteren Nahe. Das ist eben genau der Stil des Hauses, die Visitenkarte, das heißt knochentrocken durchgegoren, ungeschönt, ohne Hefezusatz vergoren. 2025 ist ein wärmeres Jahr als 2024, bringt mehr Punch mit und spannt die wärmere, expressivere Aromenwelt auf. Er strahlt viel Dichte aus, substanziell, selbst im Unplugged. Diese 2025er kommen ganz anders aus dem Glas als die schlankeren Vorjahre. Da ist richtig Musik drin. Restsüße ist unter 1 g/l, knochentrocken, das glaub man aber kaum, wenn man diese süße Frucht im Mund hat. Mirabelle, Reineclaude, roter Weinbergspfirsich, Salbei, Pfefferminze, wuchtiger, intensiver Körperbau, der von der überraschend hohen, straffen Säurespur schön abgefangen wird. So intensiv, die Zunge rollt sich, Kumquat, Grapefruit. Wow, ist das ein Kracher für die Einstiegskategorie. Nicht die feine Klinge wie 2024, sondern ein pikanter Senkrechtstarter.