»Frühernberg« ist eigentlich eine Gewann, die wiederum innerhalb der Großen Lage Schönhell gelegen ist. Eine recht steile Lage mit perfekter Sonnenexposition, wie ein Amphitheater ausgerichtet und sehr windgeschützt. Der Boden ist sehr karg und besteht überwiegend aus Kies und Sand. Der Name leitet sich aus hier meist früher eintretenden Reife ein, was heute in Zeiten von trockenen und heißen Jahren aber auch schon mal problematisch werden kann. Die Trauben für diesen Riesling stammen allerdings aus dem Herzstück der Parzelle, dem 1971 gepflanzten Kern. Hier wurzeln die Reben sehr tief und sind entsprechend widerstandsfähig. Unweit von hier wächst auch der Spätburgunder von Peter Jakob Kühn. Direkt abgepresst, danach im Edelstahl vergoren und ausgebaut. Diese Nase ist so total Rheingau in dieser konzentrierten Frucht von hellem Pfirsich, leichten Apfelnoten, Zitronenschale und vor allem dezenter Kräuterwürze. Helle, kreidige Steingkeit kommt dazu. Im Mund dann überraschend dicht und komplex, sehr gute Struktur aufweisend. Reife, zupackende Säure im Wechsel mit ganz feinem Bitterstoff. Fleischige Nektarine vermischt sich mit Grapefruitschale, gelbem Apfel und Melisse zu einem komplexen Aromenspiel. Kernige, salzig-mineralische Stütze im Unterbau. Fein texturiert und mit sehr guter Länge. Ein Vorzeigewein aus der Klasse der ersten Lagen, ein Beleg dafür, warum ich diese zu unrecht manchmal noch so unterschätzte Kategorie so mag. Der Frühernberg zeigt zwar nicht ganz die Größe eines GG, dafür fehlt ihm der letzte Kick, aber man bekommt hier einfach sehr viel Wein für sein Geld. Sehr schöner Stoff allemal. 94/100