Weil Kauer von den trockenen Prädikatsweinen abweicht und auf Regionalbezeichnungen umstellt, ist das trockene Kabinett aus dem Kloster Fürstental seit dem Jahrgang 2022 der Schiefertanz geworden. Dennoch steckt hier 100 Prozent Kloster Fürstental drin. Dr. Kauer ist einer der führenden Professoren der Geisenheimer Wein-Universität, und als Bio-Pionier arbeitet er seit 1982 hier auf einem winzigen Weingut von 4 Hektar. Mittlerweile ist auch die Tochter im Betrieb, ebenfalls Geisenheimerin. Nur Steillagen, alles Handarbeit und kleine Erträge. Die Wolfshöhle in Bacharach ist mit Sicherheit die renommiertere Lage, auch weil sie über den VDP als Große Lage klassifiziert ist, weil hier Mitglieder ansäßig sind. Die Lage Kloster Fürstental ist nicht klassiert, weil es hier keinen VDP’ler gibt. Laut Randolf Kauer ist das Kloster Fürstental aber grundsätzlich auf Augenhöhe und wäre sicher auch eine Große Lage. Durch die Lage in einem Seitental ist es hier etwas früher schattig, zudem ist es teils ein Osthang, also besonders kühl. Früher war das ein Hindernis, heute ist es ein Segen, gerade für Kabinette. Hier kann man noch wirklich echte, trockene Kabinette keltern. Sowas geht fast nur noch im Mittelrheintal auf diesen quarzithaltigen Schiefern. Sehr kühle Zitrusnase, sehr viel kristalline Mineralität, duftiger Pfirsich. Der Kloster Fürstental hat etwas mehr Vibration, ist kerniger und zupackender als die etwas rundere Wolfshöhle. Sehr lecker-animierende, süße Zitrone im Mund, feines Salz am Rand. Tolles Spannungsfeld aus der saftigen, verspielten Frucht und der scharfen Mineralität. Salzige Säurespur, die den Wein auf der Zunge tanzen lässt, stahlig und frisch wie Gletscherwasser. Feine Wiesenkräuter im herbsaftigen Nachhall. Mittelrhein vom Feinsten, klassischer geht Steillagen-Riesling kaum. 93/100,