Dr. Kauer ist einer der führenden Professoren der Geisenheimer Wein-Universität, und als Bio-Pionier arbeitet er seit 1982 hier auf einem winzigen Weingut von 4 Hektar. Mittlerweile ist auch die Tochter im Betrieb, ebenfalls Geisenheimerin. Nur Steillagen, alles Handarbeit und kleine Erträge. Diese Oelsberg Spätlese trocken kommt aus Oberwesel, etwas nördlich von Bacharach in Richtung Koblenz gelegen. Alte Reben, Pflanzjahr 1973, also natürlich kleine Erträge. Spontan angegoren, relativ weit durch. Der 2022er ähnelt dem 20er in seinem Charakter, das heißt die Säure ist moderat und fein, dafür der Restzucker nur bei 4 Gramm. Der Jahrgang ist ausgewogen und zugänglich, das war 2020 auch schon so, daher braucht er nicht viel Restzucker. Der Oelsberg ist würzig und fest, zeigt Graphitmineral, Aprikose, weißen Pfirsich, Limettenabrieb, weißen Pfeffer und Anis. Natürlich mit mehr Druck und Power als Schiefer- und Wolfstanz, aber in 2022 ist es kein Powerteil, sondern schön schlank, saftig und trinkig. Das ist als Speisebegleiter gedacht, hat mineralischen Druck im Mund, gelbfleischig und mit feiner Konzentration, der Mund wird komplett gefüllt. Hohe mineralische Spannung. In seiner Ausprägung ist er im Grunde ein Unikat und wie alle Weine bei Dr. Kauer ein unglaubliches Schnäppchen für die Qualität. Man bekommt so unglaublich viel Wein aus reiner Handarbeit in Steillage. Alles wird eingenommen, alles wird belegt, der Wein endet in einer süßen Grapefruitnote. Ein Unikat, das zugleich hochspannend ist. 94-95/100,