Die Trauben werden komplett entrappt, Kaltmazeration im Beton, spontan vergoren. Malo und Ausbau für rund 18 Monate in überwiegend gebrauchten Barriques. Seit dem Jahrgang 2014 setzt man nach der Entrappung eine optische Traubensortiermaschine zusätzlich zur strengen Lese im Weinberg ein. Ein Plus an Feinheit und Klarheit der Frucht, denn unreife oder unkorrekte Beeren werden per Luft rausgeschossen, und auch Stiele, Rappen oder anderer Beifang kommen nicht durch diese Kontrolle. Nathalie Tollot ist kein Freund von Neuholz, im Betriebsschnitt sind es nur 20 bis 25 Prozent. Tollot Beauts Stil ist an der Cote de Beaune was Jean Grivot an der Cote de Nuits ist. Beaune ist der archetypischste Ausdruck der südlichen Côte d‘Or, auch wenn Pommard und Volnay hier und da die erste Geige spielen. Der Maßstab ist schon die Gemeinde Beaune, die Mitte zwischen den Extremen vom Corton bis Volnay. Und hier in der Mitte ist Tollot Beaut mit seinem 1er Cru Clos du Roi vs. 1er Cru Grèves immer ganz vorne dabei. Die beiden Lagen wurden am ersten Lesetag geerntet, Grèves ist die deutlich mineralischere Lage, der Clos du Roi die deutlich fruchtigere, rundere Lage. Clos du Roi ist nicht früher reifend im Weinberg, beide sind früh, aber früher zugänglich im Wein. Grèves ist ein bisschen mehr Diva. Am 16. September 2024 begann die Lese, also deutlich später als im Vorjahr. Es war ein kühleres, regenreiches Jahr. Die Weine sind filigran aber fruchtstark. Es gibt keinerlei Überreife, die Alkoholgrade liegen zwischen 12.5% und 13% vol., also ziemlich perfekt für Pinot Noir. Ca fait du bien! Sagt Nathalie über den Jahrgang, er macht nie müde, hat Trinkfluss ohne Ende. Saftig und sehr verspielt. Es gab rund 25 Prozent Ernteverlust aufgrund einer sehr schlechten Blüte im Frühjahr mit einsetzendem Mehltaubefall. Andere hat es aber noch viel schlimmer getroffen, bei Tollot hält sich der Verlust in Grenzen. Eine sehr strahlende, dichte Kirschfrucht drückt aus dem Glas, Kirsche in allen Schattierungen, auch Bittermandel, Veilchen, eine Prise schwarzer Pfeffer. Der Mund ist köstlich geschliffen, kühl und würzig. Wir haben schon viel Charme in der Frucht, aber nicht diese Cremigkeit, die 2023 und 2022 hatten und nicht den Druck aus dem Alkohol. Nein, das Ganze bleibt filigraner und verspielter, tänzelnder. Und doch hat es eine Substanz aus den niedrigen Erträgen, hat mehr Dichte als 2014 wahrscheinlich, sagt Nathalie Tollot. Clos du Roi hat trotz des steinig-kühlen Charakters des Jahres eine feine Geschmeidigkeit, ein feines Volumen in der Frucht. Sehr schick! Ich bin großer Fan der 2024er. Am Ende ist es wahrscheinlich eine Preisfrage, ob man den Savigny 1er Cru Monopole oder den Chorey 1er Cru Monopole oder den Beaune Clos de Roi nimmt. Alle drei sind mehr oder weniger fruchtintensiv und charmant. Der Unterschied liegt in der Dichte, der Frische und der Expressivität ihrer Mineralität.