Lobenberg: Timothée Stroebel bewirtschaftet rund drei Hektar Land, die alle um seine kleine Domaine herum liegen, in der er auch wohnt. Die Reben liegen quasi direkt hinter dem ältesten Teil des alten Bauernhauses in der Montagne de Reims, mittig zwischen Reims und Épernay auf einer waldigen Anhöhe. Stroebel lässt Begrünungen stehen und pflügt so wenig wie möglich, um das Bodenleben nicht zu sehr zu beeinflussen. Wirklich alles ist mühevolle Handarbeit bei Stroebel. Er beackert seine Lagen wie kleine Gärten, immerhin liegen sie auch alle direkt um sein Haus herum, er kann täglich zu Fuß durchgehen. Im Winter weiden Schafe in den Parzellen. Die Bodenbearbeitung macht Timothée mit dem Pferd, alles wie früher, nahezu ohne Einsatz moderner Maschinen oder Technik. Die besitzt er gar nicht. Archaischer Weinbau wie früher. Der Pinot Noir wächst in Südwest-Exposition auf Argile, also Ton, über Kreidefelsen. Ganztraubendirektpressung auf einer alten Korbkelter, dann ohne Vorklärung direkt in gebrauchte Barriques zur Spontangärung und spontanen Malolactique. Ausbau für rund ein Jahr ohne zugesetzten Schwefel, dann geht es in die Flaschengärung für zwei bis drei Jahre auf der Hefe. Ohne Zusatz von Schwefel wird Brut Nature degorgiert. Der Pinot Noir hat einen eleganteren Fruchtausdruck als sein Heraclite Pinot Meunier – jedenfalls im Kontext von Stroebels wilderem Stil natürlich. Das sind Ausnahme-Champagner, die schwer mit irgendetwas zu vergleichen sind. In der Nase zerdrückte Kirschkerne, wild gewachsene, unsüße Walderdbeeren und getrocknete Wildblumen. Im Mund kommt dann auch herbsaftige Grapefruit hinzu, da nimmt er richtig Fahrt auf, zieht straff und salzig über die Zunge. Die Frucht geht immer mehr zurück und die würzigen, oxidativen und maritimen Noten übernehmen. Sehr eigenwillig, aber auf seine Art grandios. Man muss sich auf diesen speziellen Stoff einlassen können, das ist nichts von der Stange und gefällt in dieser speziellen Würze bestimmt nicht jedem. Stroebel steht für handgemachte Unikate abseits des Mainstreams.