Die Lage Fausoni gehört zum Gebiet der Comune di Neive, welche den östlichen Punkt des magischen Dreiecks Barbaresco – Neive – Treiso im Herzen der Region bildet. Fausoni liegt direkt an die Stadt Neive angrenzend in süd-westlicher Exposition auf Ton- und Sandböden. Die Reben in der 1,5 Hektar großen Parzelle sind bis zu 70 Jahre alt. Seit den 1970er Jahren werden die Böden bei Sottimano ausschließlich biologisch und ohne Chemikalien bewirtschaftet. Auch im Keller wird nur mit natürlichen Hefen und ohne Schönungsmittel gearbeitet. Normalerweise dauert die Maischegärung hier 25 bis 28 Tage und beinhaltet auch immer eine Zeit mit »Submerged Cap«, dabei werden die Traubenschalen mit einem Netz unter der Weinoberfläche gehalten, das führt zu einer sanften Extrahierung der Tannine. In Jahren mit besonders außergewöhnlicher Traubenqualität belässt Andrea Sottimano seine Weine auch mal länger auf der Maische. Der Ausbau erfolgt im großen Botti von Gamba. Nach 24 Monaten, davon 12 auf der Hefe, wird der Barbaresco ungeschönt und unfiltriert abgefüllt. Mittleres, leuchtendes Rubinrot mit Orange am Rand. Die Nase zieht mich in ihren Bann! Alle Fruchtaromen sind zunächst eine ultra-komprimierte Essenz. Intensive Cranberries, rote Johannisbeeren und Hagebutten bereiten auf einen erfrischenden und präzisen Wein vor. Aber der Stoff wandelt sich in Lichtgeschwindigkeit, bei jedem Riechen am Glas präsentiert er sich von einer anderen Seite – was für ein großartiger Verwandlungskünstler! Von der klirrend frischen roten Frucht hin zu Brombeere, Wildkirschbrand, Hibiskustee, Heidelbeeren, Tamarinde, Nelken, Piment, warm duftenden braunen Gewürzen, Lavendel, getrockneten Rosenblüten und Potpourri – wie aus dem Bilderbuch – , eisenhaltigen Aromen wie Fleisch und Blut hin zu einem ultrafeinen, verführerischer Hauch Vanille, frisch gemahlenen Mandeln, weißer Lakritz. Von straff zu traumhaft schwebend, von Laserpräzision zu Sanftheit. Auch die Mineralität ist breit aufgestellt und reicht von salzigem Kalkstein über gebrannte Tonerde hin zu würziger brauner Erde. Ich rieche erneut und bin gedanklich im Schwarzwald! Wie durch eine Feder werden duftende Nadelhölzer, ätherisch-würzige Tannennadeln und etwas Zedernholz sanft unter die Nase gepinselt. Mmmh! Insgesamt sind die Aromen wie gesagt jeweils eine hochkonzentrierte Essenz, zugleich hat dieser Fausoni aber eine unglaublich feine, beinahe sogar schwebende, herrliche, burgundische Aura. Nach dem ersten Schluck zeigt er seine Jugend im Mund. 2021 ist ein großer Jahrhundertjahrgang mit Statur und Struktur und dieser Wein hat das Zeug dazu (und sollte meiner Meinung nach auch!) einige Jahre im Keller vergessen werden. Millionen feinster, ultrakleiner, griffiger Tannine rollen geschliffen über die Zunge und wirken samtig nach. Sie sind also reif, aber dennoch präsente Nebbiolo-Tannine. Ich habe die Flasche vor wenigen Minuten geöffnet und es ist offensichtlich, dass dieser Fausoni mit etwas Zeit noch viele organoleptische Asse aus dem Ärmel zaubern wird. Auch auf der Zunge findet dieser Tanz der roten und dunklen Frucht statt. Brombeeren, Blueberries, Schwarz- und Sauerkirschen mit aromatisch süßer, reifer, roter Himbeere. Etwas Mandelmousse, geröstete Haselnuss, dunkle Schokolade, ein Hauch Salbei, Blutorangenabrieb und eine karge, beinahe spröde, mineralisch zupackende, geradlinige Mineralität die an grauen Schiefer und Granit erinnert. Ein großer Riese mit Samthandschuhen und ein Barbaresco für die Träume! Sowohl der Fausoni als auch der Pajoré von Andrea Sottimano sind in ihrem Charakter sehr ausdrucksstark und absolut grandios. Es werden überschaubare 4.000 Flaschen gemacht.