Die Hanglage des Felsenecks beträgt bis zu 70 Prozent. Komplett blauer Schiefer, ein sehr kühler Untergrund. Trotzdem eine sehr warme, Süd-exponierte Lage. Der am längsten in Besitz befindliche Weinberg des Gutes. Nicht terrassiert, sondern steile, lange Reihe, brutale Handarbeit. Die langen Reihen werden manchmal durch Steinmauern unterbrochen. Das Felseneck ist irgendwo der Mittelweg, die goldene Mitte, zwischen Halenberg und Stromberg. Er hat diese ultrakristalline Feuersteinigkeit des Stromberg, diese pure, schwebende Eleganz und zugleich dieses dunklere, packendere des Halenberg. Dennoch setzt er bei beiden noch einen drauf, weil er eben feiner ist als der Halenberg und druckvoller ist als der Stromberg. Ein Duft wie Quellwasser, das einen Vulkan hinabläuft. Kristallklarer Ausdruck, der wie immer wenig Frucht zeigt. Sommerregen, grüne Blaubeere, Bergminze und Menthol, fast ein wenig Basilikum, tonisch in der Frische, fast ätherisch in seiner Abgehobenheit. Weiße, blaue und schwarze Elemente vereinend. Hell getönt in seiner Frucht, aber abgrundtief dunkel in der Mineralität, was ein bisschen das Markenzeichen von 2023 ist. Das ist extrem komplex im Mund, bei aller Feinheit fest gebaut, sehr konzentriert in der Mitte, gepaart mit diesem so extrem ausgeprägten Bodengeschmack aus den kargsten Parzellen. Dann wird der Stoff eben so wild und doch harmonisch und elegant. Schwer zu glauben. Das Felseneck 2023 ist aus nahezu perfektem Lesegut erzeugt. Die Balance erinnert an ein wärmeres 2012, ein bisschen wie 2019. Kristallklare Balance, alles fließt und tanzt auf der Zunge. Das 2023er Felseneck könnte mit ewiger Jugend gesegnet sein, alle Anlagen sind da. 100/100