Lobenberg: Der Ortswein aus Klingenberg wächst zu 100 Prozent in der GG-Lage Schlossberg. Der Schlossberg ist die wärmste Lage von Fürst. Süd-, Südwestexposition, also sehr warmer Nachmittag. Extrem viel Trockenmauern. Terrassen mit teilweise nur zwei Reihen, manchmal sogar nur eine. Alles Handarbeit. Wie an der Terrassenmosel, nur hier keine Einzelpfahlerziehung, sondern Drahtrahmen. Diese heißeste Lage der Spätburgunder von Fürst ist gleichzeitig aber nicht die drückendste, sondern die femininste, die zarteste Pinot-Noir-Anlage, weil die Weine eher etwas milder ausfallen. Fürst arbeitet bei den Spätburgundern mit einer »Vormazeration«. Die unentrappten, völlig intakten Trauben werden in die Bütt gelegt und mit Kühlplatten auf eine niedrigere Temperatur gebracht, dass sie nicht so schnell in die Gärung schießen. Danach wird das möglichst vorsichtig Entrappte darüber geschichtet, aber nicht angequetscht. Dann wird die Kühlung entfernt und Stück für Stück beginnt die Gärung. Es wird die ersten acht bis zehn Tage überhaupt nicht gestampft, d.h. wir haben eine Vergärung in der teilweise ganze, intakte Beeren heile verbleiben bis zur Pressung. Zwischendurch wird dann allerdings auch mit einem Stößel untergestoßen. Wir haben also eine Kombination aus teilweiser Maceration Carbonique innerhalb der Beeren und gleichzeitig einen oxidativeren Ansatz. Ausbau in 15 bis 20 Prozent neuem Holz, der Klingenberger hat den höchsten Neuholzanteil der Ortsweine. In diesem Wein sind nur absolute Top-Parzellen, deshalb ist er auch preislich mit der Ersten Lage gleichgesetzt. Er zeigt die etwas hellere Fruchtausprägung des Schlossbergs, ist etwas rötlicher in seiner Schattierung, sauerkirschig, minzig. Reiche Himbeer-Nase mit Lavendel und herbsüßer Herzkirsche. Faszinierend wie unglaublich kühl diese 2022er von Fürst wirken, man würde nie auf ein so heißes Jahr tippen. Eine sauerkirschige Säurefrische, dass es die reinste Wonne ist! Herrlich saftig, steinig, mit so viel Grip, dass man die Augen zusammenkneift. Der verspielte, aber straff-rotbeerige Charakter des Schlossbergs kommt durch. Wahnsinnig viel Tannin, aber es ist so reif und feinporig, dass man es kaum spürt. Der Klingenberger hat eine famose, hochfeine Struktur, eine Balance, die ihn beinahe einzigartig macht im Ortsweinbereich Deutschlands. Schmeckt jung fantastisch und wird wohl dennoch sehr gut reifen können – was will man mehr?!