Cerequio liegt direkt neben, bzw. leicht versetzt unterhalb von Brunate, kurz hinter dem Ortsausgang von La Morra Richtung Barolo. Es ist etwas wärmer hier. Ab dem Jahrgang 2020 kommt erstmals eine neue Parzelle dazu und insgesamt hat das Weingut hier nun 5 Hektar. Die Exposition ist Südost mit hohem Tonanteil im Boden. Der Weinberg liegt durchschnittlich auf ungefähr 300 Metern Höhe, hier ist es deutlich wärmer als in La Serra, was in kühlen Jahren ein klares Plus ist, in warmen Jahren ein Nachteil. Jede Pflanze, also jeder Weinstock, bringt bei Roberto Voerzio nur knapp 500 Gramm Beeren aus maximal 4-5 winzigen Trauben. Nur die fünf stocknahen Trauben werden belassen und einige Zeit vor der Lese wird die untere Hälfte der Traube (mit der höheren Säure) vorsichtig weggeschnitten. Diese Ertragsreduzierung soll aber nicht die Intensität erhöhen, sondern saftige Frucht mit genialer Balance erreichen. Wahrscheinlich ist Voerzio der extremste Winzer der Welt. Bei so extremer und qualitativ auch gewünschter Ertragsreduktion ist es dauerhaft jedoch wichtig, die Stockdichte auf 8.000 je Hektar zu erhöhen. Cerequio hat 2017 die Umwandlung hin zu einer hohen Pflanzdichte abgeschlossen. Die Reben sind hier im Durchschnitt 20 Jahre alt. Natürlich erfolgt die Arbeit vom Weinberg bis zum Keller biologisch, auf Robertos Wunsch hin jedoch nicht zertifiziert, da das Ansehen der italienischen Zertifikate wegen diverser Undurchsichtigkeiten arg ramponiert ist. Nur Spontanvergärung. Wie alle Weine Voerzios 100 Prozent entrappt und für zwei Jahre in burgundischen Fässern aus sehr dicht-porigem Holz, das minimal getoastet wurde, ausgebaut. 20 bis 25 Prozent der Fässer sind neu, der Rest wurde maximal sechs Mal befüllt. Bei so geringen Erträgen ist die Traubenreife deutlich schneller als bei Standardbetrieben, i.d.R. gibt es hier 3 Wochen Vorsprung, man erntet vor allen Kollegen oder erreicht in anders verlaufenden Jahren eine höhere Reife und Komplexität. Auch liegt bei Voerzio trotz der hohen inneren Reife die Säure immer höher. Die Weine sind immer reif und zugleich extrem frisch. Cerequio hat zwar ein ähnliches Terroir wie Brunate, trotzdem ist Cerequio wegen seiner höheren Wärme im Mikroklima meistens etwas kraftvoller und dichter. Cerequio ist immer sehr besonders und es ist eine Lage, die polarisiert. Mal finde ich den Wein überragend, mal finde ich ihn auf ganz hohem Niveau einen der schwächeren Crus. Leuchtendes Rubinrot. Die Nase ist vielschichtig mit erfrischender, vibrierender roter Frucht und etwas gelbem Pfirsich. Die knallrote Kirsche changiert hin zu den saftigsten Blaubeeren und intensiv duftender aromatischer Blumigkeit. Weiße Rosen, aber auch schwebende getrocknete Kräuter, etwas Muskatnuss, Marzipan und blaue Veilchen – alles geht hier in Richtung ultimativer Finesse. Im Mund zeigt sich dieser Cerequio mineralisch geladen und salzig präzise, aber die dichte Blaubeeren und duftende Veilchen-Aromatik ist ebenso mit dabei. Der Wein tänzelt wie ein Stepptänzer über die Zunge. Tapp, Tapp, Tapp. Die feinen, griffigen Tannine gehen Hand in Hand mit der intensiv saftigen Frucht. Die Präzision der Säure ist beinahe gnadenlos – sie gibt diesem Wein gemeinsam mit der klassischen Struktur des Jahrgangs 2021 das Zeug für eine lange Flaschenreife. Spannungsgeladener und doch so schwebend eleganter Stoff – eine ultimative Verführung für Liebhaber der Präzision. Es gibt insgesamt 4.000 Flaschen von diesem sensationellen Wein!