Der Gräfenberg hat mehr Löss- und Lehmanteile neben dem Turmberg, die dem ganzen mehr Power verleihen. Turmberg ist immer der kargere, schlankere und ziseliertere Wein. Gräfenberg mag erhabener und vielleicht auch irgendwann wenn man in Jahrzehnten spricht auch langlebiger sein. In 2024 kann ich aber nicht an der Gräfenberg Spätlese vorbeigehen, obwohl ich eigentlich immer eher ein Turmberg-Typ bin. Die Gräfenberg Spätlese ist Weltklasse in dieser Kategorie und fordert die Mosel heraus, ohne ihr stilistisch nahe zu kommen. 2024 war ein regenreicherer und kühlerer Jahrgang, der eine wunderbare Eleganz und Stringenz hat. Es ist stilistisch nicht so weit vom herausragenden 2023 entfernt, genauso kristallin und strahlend, nur noch feiner, noch kühler, noch zwingender. 2024 ist ein Fest für Liebhaber von urklassischem Rhein-Riesling mit der Brillanz der Moderne. Für die Kabinette und Spätlesen ist es sowieso ein Weltklasse-Jahr, das war an Mosel-Saar-Ruwer auch schon so. Die Turmberg Spätlese ist 2024 berauschend schlank, quasi botrytisfrei gelesen und damit glockenklar. Wie es in 2024 häufig der Fall war, haben wir keine allzu laute Frucht in dieser Spätlese, alles drückt sich in feinen Nuancen aus, Zitruszesten, Litschi Sternfrucht, kandierter Ingwer. Köstlich! Eine Spätlese gebaut für Jahrzehnte mit gewaltigem Anschub und feinziselierter Salzigkeit. Die große Stärke des Jahrgangs 2024.