Lobenberg: In der Lage Paje sind Luca Roagnas kalkhaltigste Böden, die alten Reben wurden 1953 gepflanzt. Luca macht alle seine Cru-Lagen-Weine gleich: relativ späte Lese, denn die vollständige phenolische Reife hat bei Roagna einen wichtigen Stellenwert, um diese unglaubliche Finesse und die geschliffenen, feinen Tannine zu erreichen. Nach der Gärung bleibt der Trester zwei weitere Monate lang im Kontakt mit dem Wein, bevor er abgezogen wird. Im Anschluss folgen 5 Jahre Ausbau, davon mindestens drei Jahre in großen Garbelotto- Holzfässern, der Rest in Beton. Bei Garbellotto reift das Holz mindestens zehn Jahre bevor es in Weinfässer verwandelt wird, dadurch ist es mild und enthält keine bitteren Aromen mehr. Luca nutzt dennoch neue Holzfässer nur für seine Weißweine. Für die Roten steht der extrem langsame Austausch des Weins mit Sauerstoff im Vordergrund. Die Fässer sind 10 cm dick, also mehr als viermal so dick wie ein Barrique, dadurch ist die Oxidation eben extrem sanft und langsam. Dieses Jahr wurden keine Ganztrauben zur Maische gegeben, in wärmeren Jahrgängen arbeitet Luca Roagna normalerweise gerne mit 5-7 Prozent, um dem Wein mehr Frische zu verleihen und durch die Zugabe der Rappen den Alkoholgehalt etwas zu senken, denn die Stiele nehmen einen Teil davon nach der Gärung wieder auf. Mittleres, leuchtendes Rubinrot mit Orange. Die Nase ist so einnehmend, opulent und bezaubernd! Was für ein herrlicher Duft! Saftig reife Erdbeeren, duftende Walderdbeeren und reife rote Kirschen umgarnt von schwebenden gelben Blüten und getrockneten Kräutern – von Salbei hin zu Minze – alles in dieser ultra zarten »Roagna- Aromatik« verwoben. Dunkel brummende erdige Töne von feuchtem Waldboden zu zart rauchigem Graphit, rostigem Eisen, Blut, würzig fleischigen Noten und salzigem Kalkstein. Ein phänomenales attraktives Aroma zum Niederknien! Das ist der ultimative Ausdruck der piemontesischen Feinheit und der Finesse, der die Seele tief berührt. Die Tannine sind so schwebend fein und ultra raffiniert integriert, beinahe wie Puderzucker. Mit jedem Schluck bauen sie sich samtig auf der Zunge auf. Monumental in ihrer Sanftheit! Dagegen steht eine wunderbare, beinahe sogar geradlinige Frische in Form von Sauerkirschen und roten Johannisbeeren in Präzision auf der Zunge. Hier ist alles klar definiert und der Wein vibriert lange nach. Dabei ist das kein lauter Wein, sondern ein Wein der Zartheit und der Feinheit, der meine Probe der Rotweine im Oktober 2025 bei Roagna mit einem der Höhepunkte schließt. Ein Wunderwein für die Ewigkeit, der allerdings eine so herrliche Schönheit ist, dass ich es nicht schaffen werde, die Finger lange davon zu lassen. Großartig und auf Grand Cru Burgunder Niveau! Bei all diesem Lobgesang muss ich dennoch gestehen, dass man diesen Weinen nicht gerecht werden kann! Ich probiere sie einen Monat nach der Abfüllung in Luca Roagnas Keller. Dieser Vecchie Viti hat so viel Tiefe und doch so viel Zartheit und Komplexität. Absolut wunderbar!