Lobenberg: Der legendäre Prälat ist Christian Hermanns wärmster Weinberg, die Felswände heizen sich zusätzlich zu der enormen Exposition auf und fangen jeden Sonnenstrahl. Über 100 Jahre alte, wurzelechte Reben. Seit 2006 hat Christian Hermann Prälat und 2021 war das erste Jahr in dem er keine Auslese hier produzieren konnte. Das sagt viel über den Jahrgang, der eben kühl und fein ist und keine dicken Mostgewichte hervorgebracht hat. Selbst der Prälat wirkt leichtfüßig und so zart, dass man meint eher ein Treppchen im Glas zu haben. Rund 9 Gramm Säure, so hoch wie noch nie hier außerhalb der TBAs. Ein sehr besonderer Jahrgang in vielerlei Hinsicht. Die typisch-üppige Exotik des Prälats ist so fein und verspielt, dass man es nicht glauben kann. Passionsfrucht, Nektarine, Sommerapfel. Und obwohl die Dichte des Weines durchaus kurz anklingt in der Mitte, bleibt es am Ende ein besonders feinziselierter, verspielter Prälat, wie er vielleicht nie dagewesen ist. Ein verblüffend kühler Prälat, an 2010 erinnernd, aber doch so viel finessenreicher und klarer als 2010. Ein Unikat, das keinem Prälat-Sammler fehlen sollte, irgendwo in einer Logik mit 2010 und 2004 stehend und sicher spannend in 20 Jahren neben diesen kühlsten Weinen der vorherigen Jahrzehnte zu trinken. Dieses Jahr schmeichelt der Prälat sogar Finessetrinkern, die sonst eher Saar-Spätlesen zum heiligen Gral erheben. Wer hätte das gedacht! 98/100