Philipp Kuhn: Riesling Philippsbrunnen Großes Gewächs (Versteigerungswein) 2024
- Riesling 100%
- weiß, trocken
- 13,0% Vol.
- Trinkreife: 2034–2064
- mineralisch
- frische Säure
- Lobenberg: 99+/100
- Galloni: 96–98/100
- Mosel Fine Wines: 96/100
- Deutschland, Pfalz
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur:
Philipp Kuhn, Großkalbacher Str. 20, 67229 Laumersheim, DEUTSCHLANDZutaten:
Trauben Konservierungsstoffe / Antioxidantien: Sulfite (E220–E224)100ml enthalten durchschnittlich Brennwert 78 kcal / 327 kJ Kohlenhydrate 1,3 g Zucker 0,3 g Enthält geringfügige Mengen von Fett, Fettsäuren, Eiweiß, Salz
Heiner Lobenberg über:
Riesling Philippsbrunnen Großes Gewächs (Versteigerungswein) 2024
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Lobenberg: Der Philippsbrunnen – allein der Name klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Doch er ist historisch belegt: benannt nach einem Eremiten, der hier im 12. Jahrhundert lebte. Die Lage umfasst gerade einmal zwei Hektar, Philipp Kuhn besitzt davon einen Dreiviertelhektar – in echter Steillage. Unterhalb des Donnersbergs, dem höchsten Berg der Pfalz, wächst dieser Riesling auf reinem Kalkstein, einem blauen Kalkmergel, noch einmal kühler als der tertiäre Kalk des benachbarten Schwarzen Herrgott. Wir befinden uns hier quasi im Bermudadreieck der großen Zellertaler Lagen – Brunnen, Herrgott und Kreuzberg. Die Exposition ist nach Süd-Südost, das Land hier oben karg, steinig, rau. Ein echtes Extrem-Terroir. Der Ausbau folgt Kuhns Philosophie der puren Klarheit: leichte Maischestandzeit, keine Schwefelung vor der Gärung, spontane Vergärung im Holz, langes Hefelager bis in den März, dann kurzer Stahl-Ausbau auf der Feinhefe bis zur Füllung. Ab 2024 zudem offiziell bio-zertifiziert. Im Glas ist der Philippsbrunnen ein Monument karger Eleganz. Die Nase wirkt fast scheu, mit feinen Blüten, heller Frucht und einer kreidigen Mineralik, die sofort die Herkunft verrät. Am Gaumen aber explodiert er förmlich: straff, zupackend, ein Riesling voller Kraft und Tiefe. Hier ist nichts verspielt oder charmant fruchtig, das ist eine hochmineralische Skulptur, die eher vom Boden spricht als von reifer Opulenz. 2024 zeigt dabei eine Spur mehr Saftigkeit im Steinobst, weniger Reduktion als im Vorjahr, gleichzeitig enorme Balance. Keine kitschige Frucht, sondern Bodentöne, Gerbstoffgrip, vibrierende Spannung – ein Wein wie gemeißelt. Im Nachhall kreidiger Zug, fast endlos, dabei kompromisslos puristisch und doch in seiner wilden Strahlkraft faszinierend. Der Philippsbrunnen ist das Bindeglied zwischen der Balance des Schwarzen Herrgotts und der ungezähmten Energie des Saumagens – er hat beides, und vielleicht ist er gerade deshalb der spannendste Wein, den Philipp Kuhn im Keller hat. Ein Unikat, ein Versteigerungswein, der sich auf der Vorprobe un Wiesbaden mühelos neben den großen Namen wie Wittmanns La Borne oder Wagner-Stempels EMT bestehen kann. Das ist nichts weniger als ein Meisterstück.
Jahrgangsbericht
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!
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Galloni über: Riesling Philippsbrunnen Großes Gewächs (Versteigerungswein)
-- Galloni: The 2024 Riesling Zeller Philippsbrunnen Grosses Gewächs is from the deep, Tertiary limestone of the Zellertal, between Kreuzberg and Herrgott. This tingles with lovely crushed citrus leaf, slight pepper and the brightest lemon aromas. More air unfolds into gorgeous yellow and green plum fruit notes. The palate is beautifully concentrated and slender, with salty stoniness and pale lemon zestiness. The concentration on the midpalate feels like wet limestone before the long finish. (Bone-dry)
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Mosel Fine Wines über: Riesling Philippsbrunnen Großes Gewächs (Versteigerungswein)
-- Mosel Fine Wines: The 2024 Philippsbrunnen Zell GG Riesling, as it is referred to on the front label, was harvested on 2 plots planted with 12 and approx. 35-year-old vines in this similarly named Gewann situated between the Schwarzer Herrgott and the Kreuzberg and was spontaneously fermented and aged in stainless-steel tank for 10 months. This offers a beautifully fresh, pure, and herbal nose of citrusy fruits, lime, grilled spices, aniseed, jasmine, thyme, herbal tea, orange blossom, and ginger. The wine is delicately subtle and creamy on the palate yet also shows great spicy intensity and abeautiful spice-driven, pure, and refreshing long finish. The aftertaste is full of energy, clarity, and salty elements. What a great, pure, and vibratingdry Riesling.
Philipp Kuhn
100 % handgemacht – das ist der Leitspruch von Philipp Kuhn. Die Arbeit von Philipp beruht nur auf Erfahrung und dem richtigen Gefühl. Und beides besitzt er reichlich.