Philipp Kuhns Chardonnay Réserve ist ein Musterbeispiel für Pfälzer Chardonnay. Er zeigt, wie kraftvolle Struktur und kalksteinige Präzision zusammenfinden können. Die Reben stehen in der Ersten Lage Laumersheimer Kapellenberg, 1993 gepflanzt – also mittlerweile über 30 Jahre alt. Gewachsen auf tiefgründigem Kalkmergel, der diesem Wein seine innere Spannung, seine salzige Ader und seinen messerscharfen Zug verleiht. Vergoren und ausgebaut im Barrique – ein Drittel neu, ein Drittel gebraucht, ein Drittel alt – komplett durchgegoren, knochentrocken. Der Wein bleibt bis kurz vor der nächsten Lese im Fass, die Vollhefelagerung ist integraler Bestandteil des Konzepts. Während der Gärung wird nur vereinzelt bâtonniert, gerade genug, um die Textur zu stützen, nicht um sie zu verwischen. In der Nase ein intensives Zusammenspiel aus gelber Frucht von Aprikose, etwas Zitrusschale, Rauchigkeit, kühler Melone und grünem Speck. Kein opulenter Chardonnay-Stil, sondern ein straffer, gedrungener Ausdruck mit Tiefgang. Die Barriques sind da, aber immer als Strukturgeber, nie als Aromenspender im Vordergrund. Statt Butter und Vanille, haben wir hier viel mehr Feuerstein, getrocknete Kräuter und diese leicht nussige Würze. Am Gaumen zeigt sich das Rückgrat des Kapellenbergs: hoher mineralischer Druck, eine fast phenolische Griffigkeit im hinteren Drittel, die dem Wein Länge und Ernsthaftigkeit gibt. Die Salzigkeit im Finale ist markant, fast karg – das ist kein Publikumsliebling im klassischen Sinn, sondern ein Wein mit Ecken, Struktur und Haltung. Und gerade deshalb so faszinierend. Trotz des Volumens bleibt der 2023er komplett in der Spur. Nichts wirkt fett oder überladen – das ist eleganter Kraftchardonnay, mit burgundischem Anspruch, aber klarer Herkunft. Der 2023er zeigt sich jetzt schon sehr schlüssig, braucht Luft und Geduld – hat aber das Potenzial für viele Jahre Flaschenreife. Wieder mal stark!