Das ist der älteste Plot auf Beaucastel. Ein Großteil wurde 1908 gepflanzt, aber schon als der Urgroßvater Beaucastel übernahm, standen hier alte, veredelte Roussanne. Wir sind hier also wirklich bei einem durchschnittlichen Alter von 120 Jahren und mehr. Hier gibt es auch noch sandigere Böden für die ultimative Feinheit. Winzige Erträge unter 20 Hektoliter pro Hektar. Das gleiche Rezept wie beim Châteauneuf Blanc: Ganztraube angequetscht, für einige Stunden in der Presse belassen, langsam abgepresst und dann spontane Fermentation komplett im Barrique. Hier ist es 80 Prozent neues Holz. Die malolaktische Vergärung erfolgt danach, aber nur bei ungefähr 50 Prozent der Fässer. Das famose an diesem Wein ist, und deshalb ist es einer der ganz großen Weißweine der Welt, dass er trotz dieses riesigen Anteils an neuem Holz und 100 Prozent Roussanne, die ja normalerweise durch ihre rosmarinartige, üppige, exotische Schwere auffällt, so unglaublich leicht und animierend sein kann. Und das traf lange nicht mehr so sehr zu wie 2024! 2024 ist ein wirklich berauschendes Jahr für die Weißen an der Südrhône. In Rot kann es auch stark sein, da war es aber durchwachsener, in Weiß gefallen mir die allermeisten Weine super. Nachdem der Beaucastel Blanc 2024 schon ein Hammerteil ist, war es sehr klar, dass die Roussanne auf allen Zylindern feuern würde… nur eben nicht in Sachen Opulenz, sondern in wahnwitziger Finesse und Spannkraft. Der Wein hat in 2024 etwas Dunkles, fast Graphitartiges, wir sind nicht weit von Pouilly-Fumé oder dem Schiefer eines Nahe-Rieslings entfernt in der Mineralität. Das ist schon sehr erstaunlich. So viel reduktive, rauchige Spannung hat er selten. Mit Luft kommt mehr von der gelbfruchtigen Wucht der Roussanne durch, kommt die Quittenbirne mit Thymianblüten und grüner Mandarine, mit brauner Butter, Pinienkernen und grüner Olive. Ein ziemliches Powerteil ist auch 2024, nicht fett, aber schon hochintensiv. Ganz viel Schub im Mund. Die pikante Ingwerschärfe zieht lange nach, Lakritze rollt rein. Der Wein ist scheinbar unendlich lang, obwohl er in 2024 schlanker ist als in allen Vorjahren. Geht einfach immer weiter, zieht in die mit Eukalyptus und Menthol beladene Unendlichkeit. Ein singuläres Ereignis – und für mich der faszinierendste VV der letzten Jahre.