Der Tertiär Riesling ist ein neues Kapitel im Portfolio von Odinstal, stilistisch zwischen den klar gezeichneten Bodenweinen wie Basalt oder Muschelkalk und dem markanten 120 NN angesiedelt. Ein Wein, der im Prinzip ausschließlich aus potenziell großen Lagen der neu hinzugekommenen Domäne in Herxheim am Berg stammt. Unterhalb der Mauer, nach Süden ausgerichtet, in der Gewann »Im Steinberg«, aber auch die Vorlese aus dem Großen Gewächs fließt hier hinein. Der Name ist hier Programm: 20 Millionen Jahre alte Böden aus der Tertiär-Zeit, mit einem enorm hohen Anteil an Aktivkalk von 30–40 %. Ein Terroir mit Kraft, das hier erstmals vinifiziert wird. Anders als die klassischen Terroirweine von Andreas Schumann wird der Tertiär komplett im Holz ausgebaut, dazu etwa ein Drittel auf der Maische vergoren. Der Tresterkuchen wird von Hand untergestoßen, eine Woche zarte Mazeration – genug, um eine feinziselierte, griffige Phenolik einzubauen. Die Nase zeigt sofort die Handschrift: grüne Traube, knackiger grüner Apfel, reife Zitronenschale, dazu frische Wiesenkräuter, ein Hauch Melisse. Ganz dezent helle Marille und feine Kräuterwürze. Das Ganze kühl, klar und sehr präzise. Am Gaumen ist der Tertiär von elektrisierender Zitrusfrische geprägt: Zitrone, Limette, eine salzige Linie zieht sich durch, unterlegt von Kräutrigkeit und mineralischer Power. Schlank, zupackend, mit brillanter Klarheit und einem fast kalkstaubigen, stoffigen Grip. Nichts wirkt üppig, nichts breit – die Länge ist großartig, getragen von vibrierender Säure und subtiler Phenolik. Das ist ein Riesling, der kein Extrem sucht, sondern die Mitte trifft: ein völlig typischer Odinstal, präzise, salzig, packend, obwohl er von einem ganz anderen Terroir kommt. Ein gelungenes Debüt, das zeigt, dass dieses uralte Tertiärgestein seinen Platz neben den klassischen Bodenweinen von Odinstal verdient.