Lobenberg: 2022 war extrem heiß und trocken, nahezu kein Regen über den Sommer. Im Herbst kam ein großer Regenschauer, der die Reben dann aus der Trockenstarre herausgeholt hat. Danach musste nochmal eine Woche gewartet werden, dass die Trauben wieder abtrocknen. Im Grunde gab es sehr konzentriertes Traubenmaterial aus der Trockenperiode und dann ein etwas aromatischeres aus späterer Lese nach dem Regen. Das ist eine durchaus interessante Geschichte und erklärt die sehr hohe Komplexität der 2022er. Der Kräuterberg liegt im unteren Tal der Ahr, hier wird es so steil, dass die Lagen häufig terrassiert sind. Es gab in 2022 bis zu 30 Prozent Ganztrauben bei den Lagenweinen, weil alles sehr gut reif war. Das merkt man dem Wein aromatisch etwas an, denn sie haben diese zarte Pfefferwürze. Es ist dunkel und würzig, ätherischer und erdiger als das Kirschwunder Pfarrwingert. Wir haben mehr Blaubeer- und Brombeerstrauch, weniger süße Kirsche, sondern mehr auf der Struktur laufend. Pfarrwingert ist mehr Everybody’s Darling, der Kräuterberg ist der langsamere, intellektueller Wein. Sehr lang und intensiv sind beide. Was für ein gewaltiges, beeindruckendes Spätburgunder-Jahr. Die Weine werden ewig halten in dieser Intensität. Ich bin mehr als beeindruckt von diesen Spätburgundern bei Familie Näkel. 96-98/100