Auf Grünhaus hat der Frost von 2024 mit am meisten eingeschlagen, das heißt die Ernteverluste belaufen sich auf rund 90 Prozent. Es gibt daher von allen Weinen sehr viel weniger Menge als sonst und zudem auch nicht alle Weine im Programm. Spontangärung im alten Keller unter Schloss Grünhaus, überwiegend im Fuder, aber auch Edelstahltanks. Das gibt mehr Komplexität und Spannung, beides hat seine Vorteile. Das Herrenberg GG ist das einzige GG auf Grünhaus aus dem Jahr 2024. Die Fuder des Abtsberg und Bruderberg haben Maximin im Keller final nicht überzeugt als eigenständige GGs zu erscheinen, daher wurden sie in den Grünhäuser 1G abgestuft. Das Herrenberg GG allerdings hat es durch die strenge eigene Selektion des Hauses geschafft und präsentiert sich nun als seltener Solist an der Spitze des trockenen Programms. Es ist ein einziges Fuder. Der 2024er Jahrgang ist eine Zeitreise zurück in die Glanzzeiten des Ruwer-Rieslings in seiner kühlen, filigranen und hocheleganten Art. Das ist so zart, so bezaubernd in der Leichtigkeit und der Kräuterigkeit. Der Wein tanzt auf der Zunge, und das im GG-Bereich, ich finde das grandios. Es ist kein Power-Jahrgang, daher sollte es auch nicht darauf getrimmt sein. Nein, diesem feinen Stoff fehlt im Grunde nichts, außer die Erntemenge. Er hat eine schöne Stoffigkeit in der Mitte, einen dichten Kräuterschub, bleibt mit Quitte und grüner Birne auch eher entfernt vom Zitrusspektrum, höchstens ein bisschen mildere Limette ist dabei. Die minzige Frische ist genial, der Wein kleidet den ganzen Mundraum kühl und steinig aus. Eine filigrane Schönheit und eben das beste trockene Fass des Kellers dieses Jahr. Straff, trocken und fordernd in seiner Schiefrigkeit und Krautwürze. Eben ein echter Grünhaus.