Das Jahr 2024 war ein sehr klassisches Jahr für Riesling, vergleichbar mit 2014 oder 2008 im Charakter, verspielt, kühl, sehr straight. Leider gab es an der Mosel doch deutliche Einbußen aufgrund des hohen Pilzdrucks, sodass die Mengen unterdurchschnittlich waren. Die kühlere und nasse Witterung hat eine sehr strenge Selektion der besten Trauben notwendig gemacht, das ging schon in der Basis los. Am Ende ist es bei Molitor ein Jahrgang für Rieslingfans der alten Schule, wunderbar ausgewogen, filigran, superfrisch und doch mit genug Power. Eine weitere Neuheit im Weingut Molitor ist, dass mit diesem Jahrgang einige der Weine den Zusatz »GG« tragen. Das ist erlaubt, auch ohne VDP, weil der Begriff nicht geschützt ist und auch andere Moselaner aus dem Bernkasteler Ring wie Max Ferd. Richter oder Carl Loewen machen das schon länger. Molitor hat sich nun dazu entschlossen, nach langem Ringen. Vor allem aufgrund der Exportmärkte, wo GG einfach ein gesuchter Begriff ist und vieles selbstredend erklärt. Es hat also praktikable Gründe. Am Wein selbst ändert sich nicht viel, außer dass es jetzt »QbA« ist und nicht wie zuvor »Auslese« trocken – wie im VDP auch. Molitor hat seine Auslese**, also die Zwei-Stern-Qualitäten, zu den GGs umgelabelt. Darüber hinaus gibt es immer noch die legendären Drei-Sterne-Varianten über den GGs. Und darunter dann die Spätlesen. Also GG heute = Auslese** früher. Damit liegen sie preislich im Schnitt der Mosel Top-GGs, was sehr viel Sinn ergibt und damit eine qualitative Kampfansage ist. Denn was man hier ins Glas bekommt, ist bereits atemberaubender Stoff. Das ist also Molitors neue Top-Linie unterhalb der extraterrestrischen Auslesen***. Der Würzgarten ist 2024 eng in sich verwoben und kühl, kein Schreihals wie 2023, sondern filigran und verspielt. Zarter Rosenduft, Pfingstrosen, Lavendel, roter Pfeffer, auch etwas Augustapfel und warmer Sandstein. Im Mund verblüffend rassig und zugleich in die Frucht explodierend. Hier wird es viel expressiver als in der noch etwas reduktiven Nase. Krachende rote und gelbe Apfelfrucht mit mediterraner Würze von Rosmarin und grüner Olive. Beeindruckende Gerbstoffstruktur, die den Wein satt auf die Zunge meißelt. Die Augen werden schmal und die Zunge rollt sich, ob dieses straffen Antritts. Der 2024er Würzgarten GG ist ein aromatisch aufgeladenes Geschoss, das nicht einfach so davonrauscht, sondern wie ein Rosen-Grapefruit-Meersalz-Abdruck auf der Zunge stehen bleibt bis man sich beginnt zu wundern, ob es je wieder aufhört. Ein GG mit nur 11% vol. Alkohol und so viel Intensität… willkommen an der Mosel!