Bei Luigi Pira wird immer komplett entrappt. Keine Kaltmazeration, normale Vergärung für zweieinhalb Wochen, danach vier bis sechs Wochen natürlich abgesetzt im großen Stahltank. Der Marenca wird erst für ein Jahr in französischen 500-Liter Tonneaux ausgebaut, ein Drittel Neuholz, der Rest ist in Zweit- und Drittbelegung. Anschließend geht der Wein für ein weiteres Jahr ins große, gebrauchte slawonische Holzfass. Die mittlere Lage des Ortes Serralunga ist Luigi Piras Heimat und Aushängeschild. Seine Reben stehen direkt unterhalb des Weingutes, das sind die allerbesten Lagen von Serralunga. Die Böden sind stark eisen-geprägt und bringen kraftvolle Weine hervor. Das ist schon eine verrückte Situation: auf der einen Seite liegen die Weinberge von Angelo Gaja, auf der anderen Seite am Ortsausgang die Weinberge von Giacomo Conterno, und in der Mitte, im Filetstück, liegen die Weinberge von Luigi Pira. Ich glaube, es gibt kein perfekter gelegenes Weingut als Luigi Pira im Herzen Serralungas! Auf den Marenca blickt man direkt, wenn man vom Weingut oben runterschaut. Die Lage ist sehr steil und in perfekter Südexposition. Der Boden im Marenca besteht komplett aus weißem Lehm, was eher maskuline Weine ergibt und den Barolo letztlich deutlich vom Margheria oder Serralunga unterscheidet. Hier kommt wesentlich mehr Power und mehr Druck. Die Lage ist zwar heute nicht mehr so bekannt, aber in Renato Rattis erster Kartographie der Weinberge der Region war sie bereits 1971 inkludiert. Marenca ist die Lage auf der Gajas 'Sperss' wächst, das sagt schon alles! Leuchtendes Rubinrot. Die Nase ist zum Reinlegen schön! Intensive, saftige, rote Kirschfrucht mit verspielter floraler Würze von getrockneten roten Blüten, Cranberries und Hagebutte. Dabei hat der Wein zugleich eine verführerisch »weinige« Aura. Er riecht schon in diesem absoluten Jugendstadium als Fassmuster vollkommen komplett und zudem unendlich charmant. Getrocknete Kräuter und braune Gewürze sind verwoben mit etwas Orangenabrieb, Veilchen und der fein rauchigen Mineralität und Salzigkeit. Im Mund ist dieser direkt nach dem Barolo Margheria probierte Wein nochmal saftiger, intensiver. Lakritz, Melisse und ein Hauch rauchiger Kampfer. Die Tannine sind griffig, aber um jedes der vielen kleinen Tannine ist nochmal doppelt so viel intensiv saftige Frucht gewickelt. Sozusagen Tannine in Wattebäuschchen. Dieser Stoff ist unglaublich schön! Die 2021er von Pira kratzen an der Perfektion. Es scheint, als seien die besten Elemente der letzten Jahrgänge eingeflossen: die massive Struktur der 2019er und die charmante Saftigkeit der 2020er. Das ist Serralunga in Reinform. Der Wein braucht sicher mindestens vier bis fünf Jahre in der Flasche, um diese Saftigkeit der Frucht mit den großen Tanninen zu verbinden. Genial guter Stoff!