Nach der sorgfältigen Handlese werden die Trauben schonend entrappt. Ungefähr 70 Prozent werden nicht angequetscht. Durch die dadurch folgende »Maceration Carbonique«, also Ganztraubengärung, wie sie beispielsweise im Beaujolais üblich ist, entstehen besonders puristische, klare Frucht-Aromen. Anschließend folgt der sechsmonatige Ausbau in 100 Prozent französischer Eiche, 20 Prozent der Fässer sind neu. Mittleres Rubinrot mit einem Hauch Violett. Ultra verführerische, duftige Frucht steigt aus dem Glas. Klassisch Kalifornien? Absolut nicht. Wir sind hier an der Sonoma Coast, also im echten Cool Climate Gebiet nur Unweit des kühlenden Pazifik. Dieser elegante Wein könnte sicher auch aus Europa stammen. Ein Bourgogne Rouge aus Vosne-Romanée oder vielleicht Chambolle kommt mir in den Sinn. Sauerkirschen, Walderdbeeren, Hibiskus, saftige Himbeeren und Himbeerblatt mit Veilchen. Puristisch und animierend macht die feine Nase gleich Lust auf den ersten Schluck. Im Mund hat dieser Pinot ein ultra feines, dezent griffiges und zugleich seidiges Tannin. Schwarzkirschen, Sauerkirschen, Granatapfel, etwas rote Johannisbeere, ein Hauch Bitterschokolade, Earl Grey Tea und Potpourri. Selbst nach dem Schlucken tauchen immer mehr Aromen auf. Ebenso wie der Chardonnay von La Crema ist das auch der beste Pinot in diesem Preisbereich aus Kalifornien – er hat den Titel »Wine Spectator's Top Wine Value of 2023« mehr als verdient.
Nach drei trockenen Jahrgängen (2020, 2021 und 2022) startete das Jahr 2023 in Kalifornien für die Reben endlich wieder mit ausreichend viel Niederschlag während der Wintermonate, durch den die Wasserreserven der Weinberge größtenteils wieder aufgefüllt werden konnten. Die Temperaturen blieben im Frühjahr lange kühl, was den Austrieb der Reben extrem verzögerte. Zudem beeinträchtigten diese kühlen Frühlingstemperaturen den Fruchtansatz, was je nach Weinberg auf natürliche Art und Weise zu einer niedrigen Erntemenge und somit zu einer größeren Konzentration führte. Durch die Wachstumsperiode hinweg fielen 2023 in guten Abständen Niederschläge, und es gab keinerlei Trockenstress. Der Sommer verlief im Gegensatz zum heißen Vorjahr 2022 mild und die Trauben konnten langsam und gleichmäßig ausreifen. Zugleich konnten sie eine optimale Balance aus Tanninreife, Frucht und Säure erreichen. Im Herbst wurden die angenehmen Tagestemperaturen durch kühle Nächte ausgeglichen – dies bot nahezu perfekte Bedingungen für die Ausbildung eines komplexen Aromenspektrums. Die Weinlese verlief relativ entspannt und konnte ohne Zeitdruck bei idealer Reife durchgeführt werden. Bereits bei der Gärung legten viele Weine eine beeindruckende Intensität an den Tag, wie man sie nur ganz selten erleben kann. 2023 gilt nach 2021 und 2019 wieder als herausragender, großer Jahrgang.