Lobenberg: Die Grundweine der Krack-Sekte werden in einer Mischung aus 500 Liter Tonneaux, Stückfässern und ein klein wenig Edelstahl vergoren und weitestgehend ohne Schwefelzusatz ausgebaut. Das meiste hat Holzkontakt, aber der Holzeinsatz ist hier sehr gut verwoben und nicht so sehr spürbar. Die Trauben wachsen in und um Deidesheim, also zu 100% in der Pfalz. Wir haben hier eine klassische Champagner-Cuvée aus Pinot Meunier, Pinot Noir und Chardonnay. Auf die Flasche gefüllt im Juli 2022, degorgiert im Oktober 2025. Also über drei Jahre auf der Hefe. Die Nase ist sehr geschliffen, zeigt kaum Frucht, ist eher rauchig und kreidig unterlegt, ein Hauch Wildkirsche, etwas roter Apfel, Walnuss, feines Sauerteigbrot, komplex, vielschichtig und einnehmend. Im Mund kracht es richtig, intensiv, druckvoll, vorne zitrisch und kristallin, sehr geradeaus und geschliffen. Hintenraus fächert die Frucht dann etwas auf, wird rötlicher, rauchige Himbeere, Johannisbeere, Cranberry, kreidig-salzige Mineralität darunter. Wow, ein immenser Auftritt am Gaumen. Das hat schon grandiose Substanz, bei gleichzeitig viel Zug und Finesse, einnehmende Intensität und grandiose Frische. Wunderbares Mundgefühl mit reichem Körper und präzisen Säuren in seidiger Perlage. Das ist wirklich herausragend für einen deutschen Sekt und auf vielen Ebenen beeindruckend. Enorm elegant, immer feiner werdend Jahr für Jahr. Krack zählt mittlerweile wirklich zur Spitze wenn es um charaktervolle Winzersekte geht.
Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.