Der Chardonnay Ancestral ist ein echtes Ausrufezeichen – nie zu laut, sondern kristallklar, fokussiert, präzise. Und für einen Gutswein geradezu verblüffend eigenständig. Seit dem Jahrgang 2023 steht Chardonnay hier puristisch im Mittelpunkt, Weißburgunder ist Geschichte. Eine gute Entscheidung, denn der 2024er ist vielleicht der bislang eindrücklichste Jahrgang dieser kleinen Visitenkarte. Die Nase beginnt kühl und fein reduktiv, aber ohne je übermäßig karg zu wirken – heller Rauch, zerstoßener Kalkstein, dezente Haselnussschale, dann kommen gelbe Zitrusfrüchte, Grapefruit, leicht kandierte Zitronenzeste, etwas weißer Pfirsich, aber auch ein Hauch reifer Mirabelle. Nichts Lautes, keine Üppigkeit, eher zurückhaltend und doch von stiller Komplexität. Darunter eine Spur frische Kräuter, Kamille, sogar ein Hauch Butter und weiße Blüten. Das erinnert eher an einen jungen Saint-Aubin als an Pfalz. Am Gaumen dann diese grandiose Balance: Straff, mit brillanter Säurestruktur, aber gleichzeitig mit dieser inneren Ruhe und Souveränität, die ein perfekt eingebundenes Holz mit sich bringt. Rund 20 Prozent im Fass ausgebaut, auch teils neues Holz – und das merkt man in Form von Textur, nicht Geschmack. Ein Hauch nussiger Schmelz unterlegt die glockenklare Frucht, saftige gelbe Birne, etwas Quitte, leicht geröstetes Brioche im Hintergrund, alles eingebettet in salzige Mineralität und eine fast kalkige Kühle. Kein BSA, keine weiche Kontur, dafür umso mehr Fokus. Das ist ein Gutswein, der eigentlich keiner sein will. Sondern ein ernstzunehmender, spannungsgeladener Chardonnay mit echter Herkunft und Tiefe. Pfalz im Kern, aber mit burgundischer Finesse gelesen und gedacht. Eine absolut stilistische Punktlandung und ein Statement für den Jahrgang 2024.