Wie das meiste bei Sauer wird auch das GG im Edelstahl vergoren und ausgebaut, bleibt lange auf der Hefe liegen, wird teilweise auch ab und zu aufgerührt, um mehr reduktive Spannkraft reinzubringen. Die Großen Gewächse werden mittlerweile spontan vergoren bei Sauer und das setzt sich jetzt mit 2024 auch aromatisch richtig durch. Die Weine sind sehr viel ruhiger und eleganter, gehen im Jungstadium schon deutlich mehr zum Bodenausdruck und weg von der überschwänglichen Exotik vergangener Jahre. Das ist kein Holzstil wie May oder Luckert, bei denen die Frucht durch Oxidation abgeschmolzen ist, wir bleiben schon in der Klarheit von Sauer, in diesem glockenhellen Stil. Aber, und das ist seit diesem Jahr spürbar anders, wir gehen direkt in den Bodenausdruck, in die Erdigkeit und den Kalkstein, die Frucht ist karger, helltöniger, in der Jugend deutlich wilder und mineralgetriebener als die fruchtigeren 2023er. Die Konzentration ist schon da, der Wein wirkt nicht schlank, erinnert aromatisch aber schon eher an kühle Jahre wie 2013 oder 2004. Obwohl er recht weit durchgegoren ist, haben wir diese schicke Extraktsüße, die den Trinkfluss merklich erhöht. Wir haben Litschi und weiße Grapefruit, auch etwas Pomelo und weißen Pfirsich. Sehr schick, sehr aromatisch, fein und kühl. Die Säuren sind präsent aber geschmeidig, zart in den Körperbau gewoben und das Gegenteil von extremistisch, nur fein, schlank und zugleich konzentriert, was für ein verführerischer Schmelz! Zurücklehnen und genießen, aber anspruchsvoller ist Sauer in 2024 allemal. Das ist eine ganz andere Dimension.