Gunderlochs Top-Lage Nackenheimer Rothenberg, die direkt an das Weingut angrenzt, quasi die Hauslage ist und fast eine Monopol-Lage. Es gibt bei Gunderloch keine klassische Maischestandzeit mehr, sondern die Zugabe von per Hand entrappten, einzelnen, ganzen Beeren in der Vergärung. Das gibt auch Struktur, aber eben etwas feiner. Gunderlochs GGs brauchen ohnehin Zeit, sich zu entfalten und die große Struktur der Lagen am Roten Hang etwas zu glätten. Sanft abgepresst und ohne Vorklärung in die Stückfässer gegeben und spontan vergoren. Komplett durchgegoren, knochentrocken. 2025 war für Gunderloch nach eigener Aussage im Grunde sehr dankbar gewesen: kein Hagel und kein Frost am Roten Hang. Über den Sommer gab es genug Niederschlag, sodass es am Hang nicht zu trocken war. Der Rothenberg ist ein ziemliches Biest in 2025, er hat wahnsinnig viel Schub, ist dicht und gelbfruchtig. Gar nicht so steinig-reduktiv wie im Vorjahr, sondern schmelzig, expressiv, mit satter Mirabelle, Grapefruitschale, kleine italienische Bitterorangen. Er hat die Harmonie von 2016 gepaart mit der expressiven Power von 2015 – genau wie es beim Pettenthal auch ist. Der Rotenberg ist das nördlichste Stück des Roten Hangs, zieht sich bis in die Gemeinde Nackenheim hinein. Die Lage hat einen wilden, urwüchsigen Charakter. Auch Caroline Spanier macht hier einen der besten Weine Rheinhessens mit ihrem Rothenberg wurzelecht. In kühleren Jahren ist das ein sehr karger, teils auch extremer Wein, der viel Zeit braucht. Der 2025er ist hingegen wunderbar seidig, kommt mit Litschi, weißem Pfeffer, weißem Pfirsich, schicker schmelz, zeigt sich aktuell etwas zugänglicher als üblich und ein bisschen geschmeidiger als das zupackende Pettenthal. Diese Samtigkeit steht ihm im Grunde gut, nicht der brutale Gesteinshammer wie 2024, sondern gesetzter und feiner. Ein genussvoller Rothenberg – eben wie 2016.