Gunderlochs Top-Lage Nackenheimer Rothenberg, die direkt an das Weingut angrenzt, quasi die Hauslage ist und fast eine Monopol-Lage. Alle Weine bekommen eine gewisse Maischestandzeit von ein paar Tagen, je nach Jahrgang. Dann wird nach sensorischer Probe, sobald die Phenolik anfängt die Aromatik zu verändern, schnell abgepresst und ohne Vorklärung in die Stückfässer gegeben und spontan vergoren. Komplett durchgegoren, knochentrocken. Der Rotenberg ist das nördlichste Stück des Roten Hangs, zieht sich bis in die Gemeinde Nackenheim hinein. Die Lage hat einen wilden, urwüchsigen Charakter. Auch Caroline Spanier macht hier einen der besten Weine Rheinhessens mit ihrem Rothenberg wurzelecht. Es ist so eine Art Zwilling des benachbarten Pettenthal, aber er ist noch karger, noch extremer, es ist fast pures Gestein. Und so riecht und schmeckt dieser Wein. Wie eine Geröllhalde, Gesteinsmehl, Garrigues, feuersteinig-rauchige Reduktion. Der 2022er hüllt sich in eine wilde, würzig-rauchige Wolke, zeigt wenig bis gar keine Frucht im Jungstadium. Riecht nach nassem Gestein und herben, getrockneten Kräutern. Sehr dichte, unglaublich dunkle, steinige Struktur. Der Mund ist konzentriert und dicht, packend, wild, hat diese animierende Herbheit aus nassem Gestein, Meersalz und dunklem Tabak, auch grünes Zigarrendeckblatt, dunkle Beeren, grüne und schwarze Olivenpaste. Der Wein ist im Mund geschmeidiger und feiner als der sehr staubig-steinige Duft erwarten lies. Der Nase nach erwartet man eine Geröllhalde, die über einem hereinbricht, aber es kommt dann doch sehr elegant, fein, cremig und texturiert. Tolle Balance mit total reifer, samtiger Säurespur. Dennoch bleibt das im Kern ein extremer Wein, der von seinem kargen Boden geprägt ist wie nur wenige sonst. Der Rothenberg ist ein eigener Kosmos. 97-98+/100