Hier stehen die zweitältesten Reben von Breuer, gepflanzt in den 1960er Jahren. Vergärung und Ausbau im großen alten Holzfass, immer unberührt auf der Vollhefe bis zur Füllung. Sehr simpel, ein minimalistischer Ansatz. Der Wein ist gewissermaßen ein Zufallsprodukt, denn Theresa hat als sie 2019 die Lagen des Weingutes Altenkirch aus Lorch übernahm, nicht vorgehabt direkt einen Einzellagen-Wein zu füllen, aber dennoch hatten sich direkt im ersten Jahr die Trauben als würdiges Material gezeigt. Deshalb also seit 2019 einer neuer Lagenwein. In 2019 und 2020 war noch ein größeres Spektrum der Lage abgebildet, seit 2021 ist es wieder nur aus dem uralten Kernstück der Lange, recht weit unten am Fluss und an der Bahnlinie auf sehr kargem Schieferboden. Pfaffenwies zieht sich wie der Schlossberg vom Ufer unten bis an den Waldrand hoch, die Lage hat also in sich enorme Vielschichtigkeit der Böden und Kleinklimata, was Komplexität und Spiel in die Weine bringt. Im unteren Bereich dominiert der reinere Schiefer, weiter oben drückt sich immer mehr Quarzit in den Boden. Die 2024er Lagen wurden Ende Juli 2025 abgefüllt. Für Lorch war 2024 ein tolles Jahr, gefällt mir oft noch besser als der Rüdesheimer Berg, der in 2023 absolut überragend war. Wir haben das feine, mineralische Spiel des Schiefer, so verspielt, tänzelnd, voll berstender Energie. Schlanke Mirabelle, grüne Aprikose, Orangenblüte, etwas Brioche, ganz fein und leise. Das ist kein aufbrausendes, lautes Jahr, sondern unglaublich filigran. Stramm geradeaus laufend, wie mit Scheuklappen, zieht nach hinten in die Länge, unbeirrt, salzig, immer weiter. Das ist so präzise, so klar und auf eine schlanke, kühle Art unglaublich stoffig und konzentriert. Die 2024er werden ewig halten, glaube ich. Das ist ein Jahr zum Einkellern für die große Zukunft. Jung getrunken ist das eher was für Riesling-Puristen, wie 2021 auch schon. Lorch ist eines der spannendsten Terroirs am Rhein, so ein bisschen Wild West abseits vom Mainstream.