Hier stehen die zweitältesten Reben von Breuer, gepflanzt in den 1960er Jahren. Vergärung und Ausbau im großen alten Holzfass, immer unberührt auf der Vollhefe bis zur Füllung. Sehr simpel, ein minimalistischer Ansatz. Der Wein ist gewissermaßen ein Zufallsprodukt, denn Theresa hat als sie 2019 die Lagen des Weingutes Altenkirch aus Lorch übernahm, nicht vorgehabt direkt einen Einzellagen-Wein zu füllen, aber dennoch hatten sich direkt im ersten Jahr die Trauben als würdiges Material gezeigt. Deshalb also seit 2019 einer neuer Lagenwein. In 2019 und 2020 war noch ein größeres Spektrum der Lage abgebildet, seit 2021 ist es wieder nur aus dem uralten Kernstück der Lange, recht weit unten am Fluss und an der Bahnlinie auf sehr kargem Schieferboden. Pfaffenwies zieht sich wie der Schlossberg vom Ufer unten bis an den Waldrand hoch, die Lage hat also in sich enorme Vielschichtigkeit der Böden und Kleinklimata, was Komplexität und Spiel in die Weine bringt. Im unteren Bereich dominiert der reinere Schiefer, weiter oben drückt sich immer mehr Quarzit in den Boden. 2023 ist für den Rheingau ein super Jahrgang gewesen, zumindest dort, wo sehr penibel gearbeitet wird und die Böden eine gute Versorgung haben. Der Pfaffenwies hat eine wundervolle, straffe, präzise Frucht, die an Limettenzeste, milde Amalfizitrone, Hefegebäck und etwas Litschi erinnert. Für den Breuer’schen Stil ist 2023 fast schon laut, expressiv, auch wenn viel Feuerstein darüber liegt. Die feine Agrumenfrucht zieht sich in den Mund, der Pfaffenwies ist immer ein zarter, verspielter, blumiger Riesling, hat in diesem Jahr aber schon ziemlich viel Druck. 2023 ist einfach schick, saftig, zugänglich, alles passt. So schön wie 2012, nur etwas krachender. Lorch ist eines der spannendsten Terroirs am Rhein, so ein bisschen Wild West abseits vom Mainstream.