Der Kammerberg zählt zu den markantesten Pinot-Noir-Lagen von Friedrich Becker. Hier entstehen nie filigrane Charmeure, sondern immer Weine mit Tiefe, Struktur und enormem Reifepotenzial. 2021 passt dabei perfekt zu dieser Lage. Die kühlen Bedingungen des Jahrgangs verleihen dem Wein zusätzliche Spannung und Präzision, ohne ihm jemals seine beeindruckende Substanz zu nehmen. Die Nase wirkt zunächst fokussiert und fast etwas verschlossen. Wahrnehmbare, aber perfekt eingebundene, rauchige Holzwürze trifft auf Cassis, Brombeere und dunkle Waldbeeren. Dazu kommen Zwetschge, frischer Lorbeer, etwas schwarzer Pfeffer und eine feine balsamische Kirschfrucht. Trotz der satten Frucht bleibt immer diese kühle, fast steinige Ader präsent. Mit Luft gewinnt der Wein kontinuierlich an Tiefe und Komplexität. Am Gaumen zeigt der Kammerberg sofort seine ganze Ernsthaftigkeit. Dicht, konzentriert und voller Energie. Die Frucht bleibt zunächst eher im Hintergrund, stattdessen dominieren Grafit, dunkle Gewürze, feine Erdigkeit und die kalkige Mineralität der Lage. Der Extrakt ist enorm feinporig, die Säure präzise und tragend. Die Gerbstoffe wirken jugendlich und druckvoll, schieben den Wein förmlich nach vorne und verleihen ihm eine beeindruckende Länge. Trotz aller Kraft bleibt die Textur seidig und geschliffen. Der 2021er gehört sicherlich zu den kraftvollsten Pinot-Noir-Interpretationen dieses Jahrgangs in Deutschland. Ein Wein von enormer Tiefe, großer Konzentration und schier endlosem Entwicklungspotenzial. Noch ganz am Anfang seiner Reise, aber bereits heute beeindruckend in seiner Kombination aus Kraft, Kühle und Präzision.