Der erste Saint-Joseph nach der Verkostung der Crozes-Hermitages. Ich finde der große Sprung durch die leicht veränderte Vinifikation wird erst bei den Saint-Josephs so richtig deutlich. Wir gehen unglaublich fokussiert in einen Geradeauslauf, in pure rote Kirsche, Sauerkirsche und Weichselkirsche. Ein klein wenig rote Johannisbeere dahinter. Sehr puristisch, aber durchaus auch Charme zeigend. Unterlegt wird die Frucht von einer unheimlichen Würze, mit Salbei, eingelegtem grünem Pfeffer und Thymian. Wow! Nur das Riechen reicht schon! Welch schöner Duft und dennoch ist alles beieinander! Im Mund total schlank und geradlinig, was man in dieser Form nicht erwarten würde. Das ist in seiner tiefen Aromatik so wunderbar saftig und dennoch gibt die Säure in Verbindung mit den zarten Tanninen sehr viel Zug. Alles bleibt für Minuten im Mund, belegen jedoch nicht. Welch ein toller, schlanker Ausdruck der Serine. Erhaben, harmonisch und saftig! Das macht in seiner Eleganz unheimlich Freude! *** Paradis ist eine Einzellage im Besitz der Familie Ferraton, nur einen halben Hektar groß. Sie besteht aus drei verschiedenen kleinen Plots. Wir haben hier zu 100 Prozent die alte Syrah-Form, sprich Petite Syrah oder auch Sérine. Dieser Saint-Joseph steht auf Granit, ein Teil auf Löss und ein weiterer Abschnitt auf Lehm. Die Reben sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. 6.500 Stöcke pro Hektar. Biodynamisch bewirtschaftet, wie alles bei Ferraton. Die Trauben werden vor der Gärung komplett entrappt. Diese erfolgt spontan im Beton. Danach wird ganz sanft abgepresst, überwiegend nur der Free Run Juice verwendet. Der Wein bleibt dann bis zum Frühjahr auf der Feinhefe. Dann wird abgezogen und hälftig ausgebaut in Tonneaux und 600 Liter Demi-muids und nicht mehr in Barriques. 2023 liegt der Anteil Neuholz bei rund 20 Prozent, wie im Vorjahr, also auch da wird weiter der Kurs gehalten, immer weniger Neuholz einzusetzen. Der Paradis hat eine Südexposition. Dadurch – und durch seine Böden – ähnelt er dem Kleinklima der Côte Rôtie. Er hat viel Power durch die ebenfalls vorhandenen Sedimentböden. Dementsprechend ist der Wein immer etwas schwarzfruchtiger, würziger und voluminöser als viele andere Saint-Joseph. Er bringt die Wärme der Sedimentböden und gleichzeitig die Kühle der Ostexposition und des Granitgesteins. Viele Insider wissen, dass Saint-Joseph die neue Côte-Rôtie ist, weil die Côte-Rôtie preislich schon so abgehoben ist. Dadurch, dass der Winemaker Damien den Schwefeleinsatz auf ein Minimum reduziert – im Keller wird den Weinen erst nach drei Monaten im Fass minimale Mengen zugegeben – werden die Weine deutlich präziser und eleganter. Auch zieht er die Weine nach der Malo ohne die Vollhefe aus dem Beton. Das ist neu seit 2022 und dadurch ist das Jahr feiner, mittiger und mineralischer als in früheren Jahren. Die Weine kommen etwas weniger voluminös und fleischig rüber. Der Alkoholgehalt der Weine liegt zwischen 13 und 13,5 Volumenprozent.,