Nun war 2024 sicher kein warmes Jahr, sondern ein mittelreifes. Es hat recht viel geregnet im Sommer und gab keinen Trockenstress, allerdings auch sehr wenig Botrytis. Alle GGs werden bei Loosen gleich behandelt. Topgesundes, reifes Lesegut absolut botrytisfrei gelesen bei den GGs. Sanftes Abpressen, dann folgt die Spontangärung. Natürliche Klärung durch Sedimentation, aber nicht zu blank, schon mit etwas Dreck und Speck. Dann direkt in die großen, alten Holzfässer mit langem Hefekontakt. Ernie Loosen füllt extrem spät, stellt auch zur Premiere in Wiesbaden Ende August immer nur Fassproben an. Die Weine werden im Herbst 2025 gefüllt. Das Himmelreich sticht aus der Reihe der probierten GGs wieder mit seiner Eleganz heraus. Das ist ein wahnsinnig straffer, kühler und steiniger Stoff in 2024. Zeigt eine feine Reduktion, nasses Gestein, Schießpulver, ein bisschen Zitronenabrieb und Zitronengras. Immens engmaschig, fast purer Feuerstein, packend und archetypisch Mosel. Die Frucht ist eher subtil in diesem Wein, er kommt viel mehr über Würze und Kräuterigkeit, zeigt tee-artige Aromen und eine hochfeine, ganz zarte Zitrusfrucht. Nichts Lautes in der Nase und auch im Mund dieses Jahr sehr elegant und geschliffen. Weniger aufbrausend als 2023, sondern feingliedriger. Das gefällt mir persönlich sehr gut, gebietet aber etwas Zeit. Diese 2024er sind Langstreckenläufer in ihrer unendlichen moselanischen Feinheit. Dabei ist das keineswegs leicht oder schlank, nein, die Substanz ist da, das ist schon immens konzentriert in Gestein, Salz und feiner Frucht. Mit etwas Reifezeit wird aus diesem kühlen Gesteinshammer ein großer, sehr feiner Moselriesling für Eleganztrinker. Die Finesse ist wirklich bezaubernd, aber man muss auf diese Zartheit und fruchtige Finesse der Mosel stehen und etwas Geduld haben. 96-97+/100