Lobenberg: Der wahrscheinlich kultigste Wein aus dem Hause Heger! Ein Silvaner aus einer ganz besonderen Parzelle des Ihringer Winklerbergs, die mit Hilfe des Kaltblutpferds Willi bewirtschaftet wird. Keine Maschinen, keine Verdichtung, stattdessen geduldige Arbeit Zeile für Zeile, mit Respekt vor dem Boden und dem Alter der Reben – denn im Schnitt sind die Stöcke hier über 45 Jahre alt. Spontan vergoren im großen Holz und darin lange auf der Feinhefe ausgebaut. Unfiltriert abgefüllt. Aus diesem besonderen Zusammenspiel entsteht ein Silvaner, der sich radikal von der Vorstellung löst, dass diese Rebsorte vor allem neutral sei. Ganz im Gegenteil: »Pferd Willi« ist ein echter Charakterwein! In der Nase zeigt sich zunächst eine kühle, fast kräuterwürzige Zurückhaltung. Kamille, Fenchelsamen, eine Ahnung von Heublume, getrockneter Estragon und weißer Pfeffer. Die Frucht bleibt im Hintergrund, dezent und doch markant: frisch angeschnittener gelber Apfel mit Schale, etwas Quitte, ein Hauch reife Birne. Dazu kommt diese rauchig-erdige Mineralität, ganz typisch für das vulkanische Gestein, auf dem diese alten Reben stehen – fast wie feuchter Basalt oder erkaltete Asche. Am Gaumen dann ein überraschend spannungsgeladener Auftakt: Schlank, sehnig, salzig. Das ist kein Schmeichler, sondern ein Silvaner mit Rückgrat. Die Frucht bleibt karg, gelbgrün und fein: Apfel, Grapefruit, dazu etwas Zitronenzeste. Ganz zarte Phenolik, kaum spürbar, aber griffig, wie ein Schleier aus fein gemahlenem Stein. Der biologische Säureabbau gibt ihm eine leicht cremige Textur, aber ohne Fett, ohne Schwere. Alles bleibt in Bewegung. Ein Wein, der gleichzeitig puristisch und lebendig wirkt. Reduziert auf das Wesentliche, aber dabei alles andere als schlicht. »Pferd Willi« drängt sich nie in den Vordergrund, sondern definiert sich über subtile Tiefe, Textur und erzählt vor allem von seiner Herkunft. Hedonistisch in seiner Haptik, intellektuell in seinem Aufbau. Und mit einer Geschichte, die man schmecken kann: von alten Reben, echter Handarbeit – und einem Pferd, das vermutlich keine Ahnung hat, wie großartig dieser Wein geworden ist, aber ganz wesentlich daran beteiligt war.
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!