Dieser Vieilles Vignes steht auch auf der Lage La Crau, aber La Crau nicht wie die anderen Superstars in Courthezon, sondern ganz oben auf der Kuppe zu Chateauneuf du Pape, neben Vieux Telegraphe, also nicht Sand, sondern Lehm- und Kalksteinböden. Eine völlig andere Struktur, aus der genauso alten Grenache kommt viel mehr Power, Lehm ergibt eben viel massivere Wein. Die burgundische Feinheit fehlt, wir haben hier unglaublich viel Bums. Die Reben sind zwischen 80 und 100 Jahre alt. Vergärung im Zementtank mit natürlicher Hefe. Der Wein wird genauso wie der Chaupin nur im großen Fuder ausgebaut. Gebrauchtes Holz, und dennoch hat man den Eindruck einen Barrique-Wein zu haben. Der Vieilles Vignes besteht zwar zum überwiegenden Teil auch aus Grenache, hat aber immer auch einen größeren Anteil an Mourvèdre, sowie deutlich mehr anderen Rebsorten wie Cinsault, Syrah, Vaccarese, Terret Noir und anderen uralten Sorten mit unterschiedlichen Charakteristiken. Terret Noir ist eher blumig, Vaccarese etwas scharf, Cinsault ist leicht aggressiv mit hoher Säure und die Mourvèdre sehr würzig, wir haben alle Spielarten hier. Der Chaupin ist für mich zwar immer einer der archetypischsten Châteauneuf du Pape, genau wie die Cuvée Speciale bei Tardieu, beide 100% Grenache, aber eigentlich ist dieser multikomplexe Charakter der Vieilles Vignes mit seinen vielen Rebsorten das Traditionelle in Châteauneuf, wie auch bei Clos des Papes und Beaucastel sind hier fast alle zugelassenen Rebsorten enthalten. Diese Komplexität hat sich im Laufe der Zeit auch noch um einiges erhöht, weil Christophe Sabon dieses komplexe Spiel liebt. Früher war der Vieilles Vignes verschrien als reiner Powerwein. Diese Zeiten sind lange vorbei, früher spielte Syrah hier die Hauptrolle, heute nur noch eine untergeordnete Nebenrolle von 5 Prozent und sie wird sehr früh und frisch geerntet. Wie ist jetzt der Vieilles Vignes final? Ein weitaus komplexerer, vielfältigerer Wein als die Cuvée Chaupin, nicht besser, nur anders, vielschichtiger und intensiver. 2022…Was für ein Jahr! Es erinnert mich an die großen Jahre der Vergangenheit wie 1978 oder 1990 in dieser trocken-heißen Pracht, die die Weine so elegant und langlebig macht, wenn sie nicht überreif gelesen wurden. Die Kombination aus total reifer, seidiger und saftiger Frucht und wahnsinnig geschliffener Mineralität ist unique. Es ist die Quadratur des Kreises wie sie zuletzt 2019 hatte. Süße, warme Himbeere und Kirsche schmilzt auf der Zunge, etwas Valrhonaschokolade darunter, herbsüße Lakritze, Sandelholz und geflämmter Rosmarin. Dann schiebt wieder die salzige Schärfe nach, Muschelschale, kreidig, fast bissig unter dieser süßen Frucht-Würz-Kombination. Diese Vielfalt der Würzigkeit, der Blumigkeit aus den verschiedenen Rebsorten macht am Ende den Vieilles Vignes überlegen gegenüber dem Chaupin, den ich persönlich lieber trinke. Er ist einfach noch komplexer, noch berauschender in seiner Finesse und dem unendlichen Facettenreichtum. Das macht ihn zu einem der ganz großen Weine der Appellation.