Die Oberhäuser Brücke von Dönnhoff als Großes Gewächs gibt es nur in der Versteigerung zu kaufen. Ein sehr spezielles Terroir, was früher nur den besten Süßweinen des Hauses vorbehalten war, weil die Flussnähe eben auch Botrytis fördert. Die Füße der Reben stehen in Schiefer, in Schwemmsanden mit großen vulkanischen Anteilen. Eine sehr komplexe Bodenstruktur, die sich hier am Flussbett angereichert hat. Das Große Gewächs wächst auf einem Teilbereich der Großen Lage, und zwar im kühlsten Teil der Lage direkt an der Brücke unten an der Nahe auf sandig-kiesigem Schwemmland. Es ist die kühlste Lage und gleichzeitig auch die kargste Lage. Dieses GG wird nur in sehr guten und eher warmen, trockenen Jahren ohne Botrytisgefahr erzeugt. Sonst kommt nur der beste Süßwein des Hauses aus der Oberhäuser Brücke. Es ist keine Steillage, aber es gibt aufgrund der Nähe zum Fluss große Unterschiede zwischen Tag- und Nachttemperaturen. Das Brücke GG ist immer ein hochfeiner, intellektueller und anspruchsvoller Riesling. Seine Größe erschließt sich nicht so direkt, wie die der Hermannshöhle, die viel kompletter ist in ihrem Auftreten. Die Brücke ist eine ganz feine Klinge, ein fast filigraner Wein von tänzerischer Leichtigkeit trotz seiner profunden Reife in 2023. Es ist ein atemberaubendes Spiel aus Mineral und Salz, das sich da am Gaumen abspielt. Eine unterschwellige Vibration durchzieht den Wein wie ein Elektroschock. Und doch hat er in seiner limettig unterlegten Pfirsichfrucht auch diesen cremigen Charme von 2023, diese Entspanntheit. Für mich das beste Brücke GG seit 2019, weil es so ein stimmiges Ensemble zwischen hoher Reife, cremiger Textur und allerfeinsten Säuren ist. Ein großer Riesling, der mehr Zeit und Verständnis braucht als die alles überragende Hermannshöhle. Man kann sie im Grunde nicht vergleichen, denn die Brücke ist ein ganz eigener Typ und zeigt sich völlig anders als die darüberliegenden Steillagen. Faszinierender Stoff allemal.