Seit Jahrgang 2022 werden alle Weine bei Clos Saint Jean komplett spontan vergoren, es gibt keinen Hefezusatz mehr. Das gibt den Weinen nochmal einen Tick mehr Komplexität und Eigenheit. Mittlerweile werden hier alle Trauben entrappt, früher hat er nur mit Ganztrauben gearbeitet. Der größte Teil der Ernte kommt von der berühmten Lage La Crau, mit die höchste Lage im Ort. Das Herz des Blends ist immer Grenache. Die Fermentation geschieht klassisch in großen Betontanks. Danach Umzug in Barriques mit erster bis dritter Belegung, die Grenache wird ausschließlich im Beton ausgebaut. Syrah und Mourvedre werden im Holz ausgebaut. Die Grenache aus dem Beton ist immer das Herzstück der Blends bei Clos Saint Jean, er macht bei diesem Wein immer um die 80 Prozent aus. Clos Saint Jean ist eher in der Riege der Blockbuster zu verstehen, mit später Lese und stets viel Power. Selbst im kühleren 2021 wurden 16% vol. erreicht und auch in 2022 liegen wir nicht weit davon. 2022 ist die Eisenfaust im Samthandschuh, hochkonzentrierte Kirsche ohne Ende, auch etwas Himbeere darunter, Walderdbeere. Trotz hoher Reife keine schwarze Wand, sondern eine duftig-verspielte Rotfruchtigkeit, das gefällt mir sehr gut. Wir sind zurück bei der Power und der balancierten Gourmandise von 2019, alles passt, alles stimmt. Es ist nicht so burgundisch fein wie 2021, sondern wieder mehr provençale mit dichter, voluminöser und tiefer Frucht. Aber wir bleiben total elegant, rund und sehr sinnlich. Extrem leckerer Wein, nicht ganz groß, aber so wunderbar animierend.