Lobenberg: Auch beim Biengarten ist es der zweite Jahrgang – und doch das erste offizielle Release. Der 2019er war so rar, dass nur eine Handvoll Gastronomen in seinen Genuss kam. Nun ist der 2020er der erste Jahrgang, der die ganze Handschrift dieser großartigen Lage und dieses kompromisslosen Stils offenbart und auch für Privatkunden schmeckbar macht. Der Gimmeldinger Biengarten gehört zu den Herzstücken des Sekthauses. Zwischen Gimmeldingen und Königsbach, auf nach Osten abfallenden Terrassen, zieht sich die Lage am Waldrand entlang. Eine geschützte, etwas wärmere Mulde im ansonsten kühlen Ort. Im Kernstück, direkt unter einem Aufschluss aus tertärem Kalkmergel – Terra fusca, wurzeln die Reben tief im hellen, bröckeligen Gestein. Hier entstehen Rieslingsekte mit Charakter: salzig, druckvoll, kalkig, von dramatischer Mineralität. Die ältesten Reben stammen aus den 1980er-Jahren, ergänzt durch jüngere Pflanzungen von 2012 bis 2016. Der Wein wurde im September 2020 gelesen, spontan im Holz vergoren, im Juni 2021 auf die Flasche gebracht und 46 Monate auf der Hefe gereift. Degorgiert im April 2025. 0 Gramm Dosage. 11,5 % Vol. – und doch eine Präsenz, ein Druck, eine Dichte, die schlicht verblüfft. Im Glas helles Strohgelb mit feinem Schimmer. Die Nase ist kristallin, fast ätherisch: Kalkstaub, zerstoßene Muschelschale, Zitronenzeste, weiße Blüten, grüner Apfel, grüne Walnuss und Mandel, Sauerteig und Brioche. Dann salzige Noten, feine Kräuter, ein Hauch nasser Stein – ein Duft, der an großen Blanc de Blancs erinnert, weniger an klassischen Riesling. Am Gaumen messerscharf, straff und zugleich cremig – unglaublicher Zug, vibrierende Säure, salzige Spannung, kalkiger Grip. Zitrusfrucht, Apfelkompott, etwas gesalzene Karamellnote vom langen Hefelager. Dabei schwebt der Wein, fein und elegant, mit ultrafeiner Perlage und fester Struktur. Ein Rieslingsekt in Vollendung, mit der Energie und Präzision eines großen Champagners von der Côte de Blancs, aber mit der Seele der Pfalz. Kein Hauch Süße, keine Schwere, nur Salz, Stein, Spannung und Finesse. Ein Sekt von überwältigender Mineralität und Klarheit – 11,5 % Vol., und doch so druckvoll, dass man ihn kaum glauben kann. Riesling neu gedacht – kalkig, zupackend, brillant. Allerfeinste Handwerkskunst und ein selten brillanter Rieslingsekt mit großem Reifepotenzial, der selbst jeden letzten Skeptiker überzeugen wird. Bravo!