80 Prozent Merlot, 10 Prozent Cabernet Franc, 5 Prozent Cabernet Sauvignon und 5 Prozent Malbec. 14,0 Volumenprozent Alkohol. 2023 wird das erste biologisch zertifizierte Jahr sein, seit 2020 wird biodynamisch gearbeitet. Die Lese fand bis zum 10. Oktober statt. 35 Hektoliter pro Hektar Ertrag. Das Gros der Rebstöcke ist 60 Jahre alt. Die Nase des 2022er ist nicht Castillon, sondern superfeiner Saint-Émilion mit feiner Holundernote und roter Frucht. Ganz helle Lakritze dazu, extrem fein und gleichzeitig dicht, reich und hocharomatisch. Blumig bis zum Abwinken! Veilchen, Flieder und Wiesenblumen. So spielerisch-leicht in dieser floralen Ausprägung. Trotzdem dichte schwarze Kirsche darunter, seidig-fein und balanciert. Sehr schicke Nase! Der Mund ist eine Explosion in Blumigkeit! Wiesenblumen, Veilchen und Flieder – wow! Das Ganze mit feiner Kirsche unterlegt, mit Kalkstein und Salz. Es bleibt spielerisch und fein. Trotzdem weist er Spannung und innere Dichte auf. Nein, Stück für Stück und mit immer mehr Luft ziehe ich meinen anfänglichen Vergleich zu Saint-Émilion zurück. Eigentlich ist dieser Robin mehr ein feiner Pomerol. Er steht für Minuten mit blumiger Salzigkeit und heller Himbeere, heller Lakritze, Schokolade und Nougat. Um ein ganz großer Wein zu sein fehlt ihm ein bisschen Fleisch, Dichte und Wucht in der Mitte. Das war allerdings auch nicht die Absicht – die Feinheit stand ganz vorne. Ein Gegenentwurf beispielsweise zum Castillon der Biodynamikerin Cathérine Papon-Nouvel – Château Peyrou, der mit so viel Wucht und Fleisch kommt. Hier kommt es nur fein… Der Wein läuft vielmehr in Richtung Clos Louie oder Clos Puy Arnaud. Eine tänzelnde Schönheit – très chic! *** Dieses Vorreiterweingut Castillons wurde 1994 von Stéphane Asseo gegründet. Stéphane hat Castillon mit diesem legendären Robin auf die Weltkarte des Weins gebracht. 2005 ist der Weinmacher dann in die USA ausgewandert und hat in Paso Robles das Weingut L’Aventure aufgebaut, das inzwischen hochdekoriert und hochbewertet ist. Das 12 Hektar Weingut Robin geriet in Vergessenheit und wurde erst vor Kurzem wieder in die Weltelite gehievt, als ein Zweig der Familie Thienpont (Vieux Château Certan, Le Pin, Puygueraud…) dieses Weingut erworben hat. Jan und Florian Thienpont widmen neben ihrer Tätigkeit als Négociants alle Aufmerksamkeit diesem Kleinod. In der Zwischenzeit sind natürlich Nachahmer wie Château d’Aiguilhe, Clos Puy Arnaud, Domaine de L’A und einige andere, inzwischen hochdekorierte Castillon-Weingüter, an Robin vorbeigezogen. Das wird sich sicherlich wieder ändern. Die aktuelle Dichtpflanzung bringt winzige Erträge von circa 15 Hektoliter pro Hektar. Das Château ist ein Amphitheater auf dem Plateau von Castillon. Der Nachbar ist der Biodynamiker Clos Puy Arnaud. Robin liegt auf reinem Kalkstein mit einer leichten Sand-, Kies- und Lehmauflage. Alle Trauben werden per Hand gelesen, die spontane Gärung geschieht in kleinen offenen Holzgärständern und in temperaturregulierten Betongärständern. Pump over, keine harte Extraktion. Die malolaktische Gärung und der zwölfmonatige Ausbau finden im Barrique statt, davon ist nur ein kleiner Anteil Neuholz.