In Gigondas war 2024 tatsächlich deutlich einfacher als 2023. Louis Barruol geht so weit zu sagen, dass 2024 der beste Jahrgang seit 2016 sei. Es ist ein glorreicher Jahrgang, der 2023 und auch 2022 weit in den Schatten stellen wird in Louis Augen. Die Fassproben, die ich bisher aus 2024 aus Gigondas probiert habe, sind tatsächlich grandios. Voller Spannung und viel seriöser strukturiert als die charmanteren 2023er, die Tannine sind voll ausgereift, aber der Jahrgang hat einen so köstlich straffen Charakter behalten, so viel innere Spannung wie 2016 und 2010. Die Trauben waren annähernd perfekt in Gigondas, besser als in Châteauneuf, wo es etwas durchwachsener war. Der Wein wurde schon 1870 gepflanzt, aber es ist dennoch keine Originalrebe, sondern eine gepfropfte Unterlagsrebe. Es ist der erste Weinberg an der südlichen Rhône, der so veredelt wurde. Der älteste Weinberg der Domäne, direkt vor dem Haus, 1,5 ha. Hier ist Kalkstein als Untergrund. Exposition ist Südwest. Muschelkalk aus 10 Millionen Jahre alten Kalksteinformationen, auf denen diese uralten Reben stehen. Der Wein besteht zu 100 Prozent aus Grenache, die über 100 Jahre alt sind. Der Le Claux (oder morderner auch Clos = ummauerter Weinberg) liegt 270 Meter hoch. Diese Hochlage, zusammen mit dem kühlen Mikroklima der Lagen von Saint Cosme, gibt eine ganz andere Expressivität der Grenache als bspw. in Châteauneuf-du-Pape. Deshalb sind wir hier in einer Fruchtstilistik, die weitaus mehr an Burgund, und auch ein wenig an die Loire und uralte Cabernet Franc erinnert. Als Ganztraube inklusive Rappen spontan im Zement vergoren. Ausbau in neuen und gebrauchten Barriques. Le Claux hat, wie so häufig, die eleganteste Nase der drei Einzellagenweine aus Gigondas. Man kann diskutieren, ob das nicht sogar besser ist als 2016. Wir werden es wissen, so in 15 Jahren. Le Claux ist hochelegant, feiner als alle Jahre zuvor. Schwebende dunkle Kirsche, dunkle Himbeere, Veilchen. Das macht jedem Côte-Rotie Konkurrenz, ist aber tatsächlich besser als die allermeisten. Von minziger Frische durchzogen. Ein Bergwein par excellence. Hier ins Glas zu riechen ist fast als würde man in den Dentellen stehen und der Mistral pfeift einem um die Nase, kühl, kräuterig, beerig. Die Tannine schieben immer wieder aus dem Untergrund nach, sind aber seidig ohne Ende. Immer einer der größten Gigondas überhaupt von einem der ikonischsten Weinberge der Domaine und der gesamten Appellation. Lange nicht mehr so gut probiert.