Rosé auf Grand Cru-Level kennen wir von Viña Tondonia, Sylvain Pataille und spätestens seit Aldingers Trollinger-Geniestreich wissen wir, dass es sowas auch in Deutschland gibt. Reiner Spätburgunder, in gebrauchten Barriques spontan vergoren und ausgebaut. Etwas längere Maischestandzeit von vier Stunden um noch etwas Gerbstoffstruktur. Nur ganz zartes Rosa. Die leicht wilde Nase ist schon im wahrsten Sinne ein Knaller: Zuerst kommt einem die feinrauchige Schießpulverreduktion entgegen, wie wir sie schon von Julians Weißen kennen. Dann kühle Meeresbrise – ja, fast ein bisschen Austernschale, Grapefruit, mit Himbeere und Johannisbeere auch ein deutlich rotbeeriger Einschlag. Im Mund kickt dann die messerscharfe Säure zusammen mit feinem Gerbstoff so richtig rein. Was für ein geniales Spiel mit dieser zupackenden Textur. Charmante Frucht sucht man hier vergebens, das ist ein druckvolles Powerteil. Alles zieht sich zusammen, so ultrapikant ist dieser Rosé, wow! Sauerkirsche, salzige Himbeere, wieder auch etwas Grapefruit, dann aber auch unfassbar viel kalkiger Grip. Kompromisslos karg und salzig-mineralisch, lang und vibrierend. Ein intellektueller, steiniger Rosé mit dem man sich beschäftigen muss. Ich empfehle ihn über den Abend aus großen Gläsern zu trinken und die Entwicklung zu beobachten. Das ist kein simpler Rosé zum wegschlürfen auf der Terrasse, aber das hätte ich von Julian Huber auch nicht erwartet. Mittlerweile fester Bestandteil und nicht mehr wegzudenken aus dem Huber'schen Portfolio!