Brovia besitzt eine 1,5 Hektar große Parzelle der Lage Villero, die ebenso wie Rocche in Castiglione Falletto liegt. Beide Weinberge liegen entlang der Straße zwischen Castiglione und Monforte, beide relativ hoch auf 350 Metern. Wenn man durch Castiglione fährt, dann liegt zur rechten Seite Villero und zur linken Seite Rocche. Villero liegt damit in perfekter Süd-West Exposition und ist etwas wärmer als der steilere Rocche. Villero hat hauptsächlich weißen Lehmboden, die Reben wurden Anfang der 1960er-Jahre angepflanzt. Bei Brovia werden alle Crus ganz genau gleich gemacht. Die Trauben werden immer zu 100 Prozent entrappt. Fermentation in Beton, wo der Wein drei bis vier Wochen auf der Maische bleibt. Anschließend wird er in einen Stahltank gezogen, wo die Malo stattfindet. Dann folgt der Ausbau in großen Holz-Botti von 3.000-4.000 Litern. Das Besondere bei Brovia: Hier wird die Maische übergepumpt, aber der Saft wird nicht von oben mit einem Strahl wieder zugeführt, sondern über eine flache Platte quasi darüber gesprüht. Alles, um elegante Weine zu machen und die Tannine der Schalen nicht zu sehr zu extrahieren. Ich probiere den Villero nach dem eher verspielten Rocche. Leuchtendes Rubinrot, mit einem Hauch Orange. Der Villero ist etwas leichter in der Farbe als der Rocche, dennoch ist die Nase monumental und tief, voller vielschichtiger, verspielter Gewürze. Im ersten Moment ist sie etwas verhaltener als der zuvor probierte, offenherzigere Rocche. Beide Weine wurden im Juli 2025 abgefüllt. Schwebende, duftende Aromen von zarter Vanille, weißer Lakritz, blondem Tabak, Nektarine, Orangenschale und nobler weißer Trüffel legen sich über die opulente Frucht von reifen Kirschen und Erdbeeren. Ein perfekter Fingerabdruck klassischer Herbstaromen! Zart rauchige Noten von Teer, frischem Fleisch, Fleischbrühe und animierende, braune Gewürze. Aromatisch ist das schon ganz nahe der Barolo-Perfektion! Wow so schick, so definiert – das hätte ich niemals aus einem heißen Jahrgang erwartet. Dieser junge Wein hält dabei momentan sogar noch viele ätherische und würzige Aromen merklich versteckt. Im Mund trifft er mit berührender Saftigkeit auf die Zunge. 100 Prozent konzentrierte, saftige rote Kirsche rollt dicht über die Zunge. Eine Kirsch-Essenz! Die vielen Tannine sind reif und rund geschliffen. Sie hinterlassen pudrige Textur von nasser Kreide, beinahe cremig und doch fein definiert auf der Zunge. Hier wird ordentlich Spannung und Vibration auf der Zunge aufgebaut – dieser Wein strotzt vor krasser Energie und Konzentration! Schattenmorellen, etwas erfrischender Hibiskus, Brombeeren – alle Frucht ist reif und knackig, nichts ist auch nur annähernd süß oder schwer. Im Nachhall kommt ein Hauch Blutorange hinzu. Präzision ist das Schlagwort für diesen druckvoll schiebenden, beeindruckenden Terroir-Wein und den Jahrgang 2022 bei Brovia insgesamt! Archetypisch und ultra muskulös ist dieser Stoff auch im Mund schon ziemlich nahe der Perfektion. Winzer Alex Sanchez ist der Meinung, dass 2022 früher zugänglich sein wird. Der Jahrgang erinnert ihn an 2017 mit mehr Frische, er wird nicht unendlich lange reifen, aber ist garantiert und ganz ohne Probleme für 15-20 Jahre im Keller gewappnet. Der Villero ist im Vergleich zum zuvor probierten Rocche noch monumentaler mit intensiver. Ein Biest und ein Klassiker! Ich liebe diesen athletischen Stil der Weine Brovias, sie sind muskulös und zugleich der Inbegriff erstaunlicher Eleganz. Villero 2022 ist ein Monument!