Rocche ist die höchste Cru Lage in Castiglione Falletto und wahrscheinlich die steilste Lage in ganz Barolo, daher ist sie in Terrassen angelegt. Die Parzellen von Brovia liegen direkt unterhalb des Weinguts Vietti. Perfekte Südostausrichtung. Rocche steht immer im Wettstreit mit der benachbarten Lage Villero, die einen höheren Anteil an Tonböden hat und dadurch kräftigere Weine mit höherer Intensität hervorbringt als die feinere Rocche. Rocche und Villero sind zwei der allerbesten Lagen in Castiglione Falletto. Beide Lagen liegen auf sehr alten Gesteinsformationen. Der hohe Anteil von 66 Prozent Sand im weißen Lehmboden gibt Rocche zusätzlich zu der leicht kühleren Lage noch extra Finesse und Eleganz. Dementsprechend reagiert Rocche aber auch auf die klimatischen Eigenheiten der Jahre sehr sensibel und an diesem Wein kann man den Charakter des Jahrgangs immer perfekt ablesen. Rocche ist immer der eleganteste Wein von Brovia, was eben auch an diesem hohen Sandanteil liegt. Bei Brovia werden alle Crus ganz genau gleich gemacht. Die Trauben werden immer zu 100 Prozent entrappt. Fermentation in Beton, wo der Wein drei bis vier Wochen auf der Maische bleibt, dann in einen Stahltank hinüber gezogen wird, wo die Malo stattfindet, und anschließend wird er in großen Holz-Botti von 3.000-4.000 Liter ausgebaut. Das Besondere bei Brovia: Hier wird die Maische übergepumpt, aber der Saft wird nicht von oben mit einem Strahl wieder zugeführt, um nicht zu starke Tannine auszuwaschen, sondern über eine flache Platte quasi darüber gesprüht. Alles, um elegante Weine zu machen. Mittleres, leuchtendes Rubinrot mit leuchtendem Orange. Klare Kirscharomen haben in der Nase das Sagen. Intensive, warme Würze, Lorbeerblatt, Muskatnuss, grüner Tee, Leder, frisches Fleisch, Eisen, Fleischbrühe, Kerzenwachs, etwas Goudron kommen hinzu. Ich nehme hier eine zart-würzige Ganztrauben-Aromatik wahr, aber bei Brovia wird die Traube komplett entrappt. Blüten schweben zart im Hintergrund. Das ist schon schier unglaublich komplex was im Glas allein beim Reinriechen abgeht. Nach der würzigen Nase hat dieser Rocche im Mund eine wunderbare Fruchtklarheit. Sauerkirsche, Cranberry, rote Johannisbeeren. Nach einer Viertelstunde entwickeln sich reifer Cassis und Brombeere. Hier ist unendlich viel Präzision im Wein. Die Säure ist salzig und erfrischend und in wunderbarer Harmonie mit der Saftigkeit des Weins. Die Tannine sind ultrafein, reif und rund. Sie rollen verspielt über die Zunge. Diese Wein ist schon fast zugänglich, er gibt so viel von sich Preis, obwohl er noch ein Baby ist. Generell ist dieser Rocche ernster und strukturierter als der von Vietti mit zart bitteren Noten am Ende, die wunderbar zu diesem ultra komplexen Wein passen. Dieser Rocche hat eine wunderbar athletische Präzision und kalkige Struktur. Finesse, Power und Würzigkeit in einem. Was für eine spannende Kombination! 99/100