Alvaro Castro: Dao Alvaro Castro 2022

Alvaro Castro: Dao Alvaro Castro 2022

diverse autochthone Reben
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2032
seidig & aromatisch
strukturiert
Lobenberg: 91/100
Portugal, Dao
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Dao Alvaro Castro 2022

91
/100

Lobenberg: Der einfache Dao bildet den Einstieg in die Weinwelt von Alvaro Castro. Die Reben wachsen auf über 500m Höhe und werden von mehreren Gebirgen umschlossen. Also eine natürliche Barriere zu den Atlantikwinden die über Portugal fegen. Hinzu kommen die großen Unterschiede zwischen den heißen Sommern und den kühlen und regnerischen Wintern. Ein einzigartiges Klima! Wir haben hier, mit 15 bis 30 Jahren, erstaunlich junge Reben für diese alte und traditionsreiche Region. Hier wächst auf einer vorteilhaften Kombination aus Granit-, Lehm und Sandböden eine Cuvée aus Touriga-Nacional, Tinta-Roriz und Jaen. Unheimlich ausdruckstarke Nase. Sehr dunkel, schwarzbeerig und würzig. Es riecht nach Cassis, Zedernholz und Pfeffer. Die Intensität ist betörend. Im Mund hingegen dann sehr elegant. Nicht weniger intensiv aber erstaunlich schlank. Die Säure ist sehr gut eingebunden und steht ihm unheimlich gut. Die Frucht ist auch hier präsent und die Würze geht etwas mehr in Richtung gedörrtem oder mild geräuchertem Schinken. Insgesamt ein unheimlicher trinkiger Wein, der durch seine elegante Intensität und seinen Druck überzeugt.

Jahrgangsbericht

Da ich als zuständiger Weinscout inzwischen einen Teil meiner Jahreszeit in Spanien verbringe, bin ich über Wetter und Klima vor Ort permanent gut im Bilde. Trockenheit, Hitze, wenige guten Regenfälle vor allem in den ersten 4 Monaten. Weil es im Winter wie auch im März April satt Regen gab, war die Basis für den trockenen Sommer perfekt. Und Wärme gab es auch zum Austrieb und auch zur Blüte, sich wie ein roter Faden bis zur Ernte ziehend. Dazu erstaunlich kühle Nächte im Mai, Juni, Juli und August, aber ein eher warmer trockener Spätsommer und Herbst. Die Story der großen Trockenheit wurde mir von jedem Winzer immer wieder erzählt. Und diese Story ist oft baugleich zu Bordeaux, das ja oft die gleiche Wetter- und Klimageschichte wie alle mittleren und östlichen Nordregionen Spaniens über das Jahr hat. Selbst die atlantischen frühen September-Unwetter und Regenmengen in Bordeaux und der Rioja bleiben seit dem Klimawandel oft aus, fast immer kann jetzt im September und Oktober in Ruhe bis zum optimalen Erntezeitpunkt gewartet werden. Die Ernte wurde nach etwas glücklichem kleinen Regen im Juli und August somit teilweise über 6-8 Wochen gestreckt. Die absolute Besonderheit in 2022 war aber auch in Spanien der kontinuierliche Verlauf der Trockenheit und Hitze und die relativ kühlen Nächte über das sommerliche Weinjahr. Die Reben waren 2022 perfekt assimiliert an das Klima. Trotz der Hitze war nichts gekocht, die Laubarbeit und Bodenbearbeitung der Winzer war dem Klima über die Jahre perfekt angepasst, eine perfekte Anpassung der Reben fand statt, war ganz anders als im von plötzlichen Hitzewellen dominierten Schock-Jahr 2003 mit schlecht präparierten Winzern und Weinbergen. Und auch 2022 gibt es, wider Erwarten von uns Laien, trotz oft hoher Alkoholgradationen eine erstaunliche Frische in den Weinen. Tiefe PH-Werte sind die Regel, die Biodynamiker sprechen von den tiefsten je gemessenen Werten. In Zusammenhang mit oft hohen Tanninlevel, hoher Reife, satter samtig seidiger Frucht, hohem Alkohol und zugleich famoser Säure, sprechen viele Winzer vom besten Jahr ihrer Geschichte (Oxer, Artadi und Cuentavinas), und das von der Rioja bis Ribera, vom Priorat bis Bierzo. ALLE Regler nach rechts! Und es gibt 2022 eine grandiose Harmonie und Balance und sensationelle Finesse und Feinheit. Wie in Bordeaux. Nach meiner Verkostung kann ich das durchaus in vielen Fällen bestätigen, obwohl es auch 2021 hochinteressante, oft sogar aufregendere und energiegeladenere Weine und oft sogar präzisere Weine gab. Für mich selbst war, von Einzelfällen abgesehen, 2021 und 2022 bei absolut verschiedenem Charakter eher auf gleicher Höhe, manchmal sogar mit leichtem Vorteil bei 2021. Wer z.B. 2022 bei so viel Feinheit zu viel neues Holz einsetzte oder die Weine zu lange im Holz ließ, konnte die Weine mit ihrer samtigen Seidigkeit auch mal zu »nett«, zu holzlastig und auch manchmal etwas belanglos ausfallen lassen. 2021 hatte klar mehr Druck und Wucht, um neues Holz wegzudrücken. Und wie in Bordeaux gilt auch in Spanien: Die besten Terroirs und alten Reben waren 2022 dramatisch im Vorteil und die Biodynamiker hatten »das Jahr der Jahre«.

Mein Winzer

Alvaro Castro

Als Alvaro Castro 1980 die Quinta nahe des Nationalparks Serra d’Estrela im Dao bezog, war Weinbau für ihn noch eine längst vergangene Familientradition. Doch hier in dieser wilden und ursprünglichen Gegend fing der gelernte Bauingenieur an, sich für Wein zu begeistern und die seit Generationen...

Dao Alvaro Castro 2022