Lobenberg: »Secret Garden« ist immer streng limitiert, quasi eine Produktion in »Kleinserie«. Das Vorbild: Kein geringerer als der weiße Grand Vin von Smith-Haut-Lafitte, der ihn so nachhaltig beeindruckte, als er ihn zum ersten Mal im Glas hatte. Den Namen hat Alex bewusst mysteriös gehalten, denn er verrät nicht die genaue Lage, aus der dieser Wein stammt. Fakt ist aber, dass es sich dabei um seine besten Sauvignon Blanc und Chardonnay-Parzellen vom Muschelkalk handelt. Im Weinberg wird extrem ertragsreduziert gearbeitet, alle Trauben werden halbiert, um wirklich konzentriertes und aromatisches Ausgangsmaterial zu erhalten. Dann penibelst vorselektiert und natürlich von Hand gelesen. Es ist eine Cuvée aus jeweils 50 Prozent Sauvignon und Chardonnay, wobei der Sauvignon Blanc im Stahltank und der Chardonnay im neuen, französischen Barrique ausgebaut wird. Die erste Nase ist schon enorm verblüffend: Weißer Bordeaux, Spitzen-Sauvignon à la Von Winning oder Weedenborn? Oder doch Silex? Die Sauvignon-Aromatik überwiegt hier definitiv, der Chardonnay unterstützt mit feinem Holzschmelz und druckvoller Würze. Feuerstein, etwas Zedern- und Sandelholz. Dann sehr elegante, exotische Frucht: Passionsfrucht, Papaya und Grapefruit, gelbfleischige Ananas und junge Mango. Feine Nussigkeit. Sehr komplex und reich, aber nicht fett, immer elegant bleibend. Am Gaumen mit ordentlich Druck und Spannung, auch hier kein Fett, sondern nur Finesse. Auch wieder leichte Exotik und eine ultraklare Säureader nebst salzig-kalkiger Mineralität. Das ergibt so eine großartige, hohe Dramatik, vibrierende Textur und Frische. Hedonistische Saftigkeit trifft auf ein klar definiertes, mineralisches Profil. Trinkfluss pur – aber mit Anspruch und echtem Hang zur Größe. So etwas habe ich selten im Glas gehabt, noch seltener aus Deutschland. Bravo Alex, das hat wirklich Ikonen-Potenzial, sehr stark!
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!