Im Wonnegau gab es 2024 keinen Frost, da sind die Winzerinnen und Winzer sehr glücklich davongekommen, so auch Gesine Roll. Die Erträge waren also gut. Der Sommer war regenreicher und kühler als in den letzten Jahren, dadurch kam die Reife relativ spät und die Lese zog sich in den Oktober hinein. Die gute Wasserversorgung hat für hohe Extraktwerte gesorgt. Der Pflanzenschutz war herausfordernd, vor allem für Bios wie Weedenborn, durch viel Handarbeit im Weinberg konnte dann eine satte Reife erzielt werden, die sicher etwas höher lag als in vielen anderen Betrieben, in denen 2024 eher knapp an der Reife war. Es ist ein faszinierender, kühler und aromatischer Jahrgang mit steiniger Würze. Das ist auf der einen Seite ein Ortswein, auf der anderen Seite eigentlich ein Terroirwein, denn er wächst komplett auf Terra Rossa. Der Weinberg liegt zwischen Morstein und Kirchspiel. Terra Rossa ist ein rotgefärbter Kalkstein bei Westhofen mit hohen Eisenanteilen. Die Reben sind schon deutlich über 20 Jahre alt und damit die ältesten Sauvignons im Weingut, diese Sorte ist ja noch nicht so lange in Deutschland unterwegs. Maischestandzeit, dann vergoren und immer im Stahl auf der Hefe verbleibend. Der Wein kommt immer ein Jahr später auf den Markt, der 2024 kommt also 2026, um ihm die nötige Fass- und Flaschenreife zu geben. Der Terra Rossa wird zu 60 bis 70 Prozent im großen Holz von Stockinger ausgebaut, der Rest im Stahl, langer Hefekontakt für neun Monate. Spontan komplett durchgegoren auf unter 2 Gramm Restzucker. Die Reben sind fast 30 Jahre alt, das ist für diese Rebsorte erstaunlich. Es dürften mit die ältesten Sauvignon Blanc-Reben in Deutschland sein. Rauchige Fumé-Nase, die vom Kalkstein berichtet. Er ist noch immer jugendlich kompakt, durch den langen Ausbau-Stil ist das ein absoluter Langstreckenläufer. Er ist selbst nach zwei, drei Jahren noch eine junge Knospe. In der Jugend gerne dekantieren, damit er voll aufblüht. 2024 ist genial kühl und höchst fein. Knochentrocken bei 1 g/l Restsüße, total puristisch. Dennoch strahlt er dieses Leckergen aus, diese zarte Gelbfruchtigkeit mit weißer Johannisbeere, Orangenabrieb, ein zarter Touch Mango. Der 2024er hat eine faszinierende Noblesse. Frühlingsblüten, duftig, er ist in seiner Art ziemlich ausgewogen zwischen dieser strafferen Art von 2024 und der Gourmandise, wie sie auch 2022 hatte. Es geht nie in die Breite bei Weedenborn. Es sind immer eher asketische, mineralische Sauvignon, total ungeschminkt, voll auf die Zwölf, aber – und das ist das Schöne bei Weedenborn: immer lecker!