Keyneton Euphonium ist der regionale Blend der Familie Henschke von alten Shiraz-, Cabernet-Sauvignon-, Cabernet-Franc- und Merlot-Rebstöcken aus dem Barossa Valley. Keyneton ist eine pittoreske, 1842 gegründete Ortschaft, in der sich bis heute der historische Familiensitz der Henschkes befindet. Das »Euphonium« ist eine Hommage an das alte Blechblasinstrument, das seit der Gründung des ortsansässigen Posaunenchors im Jahr 1888 im Besitz der Familie Henschke ist. Der 18-monatige Ausbau erfolgte nach Rebsorten getrennt hauptsächlich in gebrauchten (nur 11 Prozent neuen), 300 Liter fassenden Hogsheads aus überwiegend französischer und zu 18 Prozent amerikanischer Eiche. Ich probiere den Wein 2026, also im Alter von fünf Jahren. Tiefes, beinahe undurchsichtiges Violett. Die wollüstige, fruchtintensive Nase dieses Weins ist Barossa »at its best«! Dabei ist die Henschke-Stilistik wohlgemerkt immer definiert und weit von übermäßig alkoholisch geladenen Blockbuster-Weinen entfernt – hier ist nichts laut oder aufdringlich. Der Euphonium startet direkt eine beinahe unwiderstehliche Charmeoffensive! Reife Cassis, Brombeeren und Schwarzkirschen, verwoben mit süß duftender Vanille, Zimt, süßem Lakritz, cremiger Milchschokolade sowie einem Hauch Eukalyptus, kühlendem Menthol und Heu. Viele dunkel brummende Gewürze wie Piment, Nelken, schwarzer Pfeffer und Earl-Grey-Tee auf immer intensiver werdender, frisch gedrehter Erde, warmem Ton im Sonnenschein und sogar etwas Trüffel bilden gemeinsam mit mediterranen Noten von schwarzen Oliven und mit Rosmarin gegrilltem, würzigem Fleisch den aromatischen Unterbau. Im Mund treffen saftig reife Schwarzkirschen, Blaubeeren und Pflaumen mit beinahe knisternder, brauner, dezent bitterer Würze auf die Zunge. Lorbeerblatt, zart rauchiger Graphit und 100-prozentige Schokolade kleiden den Mund aus und werden im nächsten Moment von der beinahe kühlenden, ausgleichenden Säure des Weins umhergewirbelt. Die vielen geschliffenen, reifen Tannine geben dem Euphonium Format. Im Nachhall bleibt diese herrlich opulente Schwarzwälder-Kirsch-Kombination aus dunkler Schokolade, Sahne und Kirschwasser mit harmonischer Würze minutenlang auf der Zunge. Die gut eingebundene Säure belebt den Stoff sogar noch mal im knackig mineralischen, schieferartigen Nachhall. Mega! Der Wein ist bereits in seinem Trinkfenster angekommen, ich empfehle aber, ihm vor dem Genuss etwas Luft zu geben und ihn bestenfalls zu dekantieren. Ich habe ihn über zwei Tage hinweg immer wieder probiert, und wenn man ihm den Raum dazu gibt, baut die historische Trompete ein ordentliches Crescendo auf. Dieser Euphonium ist garantiert immer eine verlässlich gute Wahl für Liebhaber opulenter und zugleich samtiger Weine.